Apollofalter

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Apollofalter

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Unterordnung: Glossata
Familie: Ritterfalter (Papilionidae)
Unterfamilie: Apollofalter (Parnassiinae)
Gattung: Parnassius
Art: Apollofalter
Wissenschaftlicher Name
Parnassius apollo
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Der Apollofalter (Parnassius apollo), auch Roter Apollo genannt, zählt innerhalb der Familie der Ritterfalter (Papilionidae) zur Gattung Parnassius.

Der Apollofalter gehört zu den schönsten Tagfaltern Deutschlands und ist streng geschützt. Er steht an der Spitze in der Roten Liste Deutschlands und unter Naturschutz in Deutschland seit 1936 und seit 1982 in der Europäischen Gemeinschaft. Der Apollofalter wurde als einziger nicht tropischer Schmetterling in das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) aufgenommen, er ist mit einem Handelsverbot belegt und somit weltweit geschützt. Im Jahre 1995 war der Apollofalter Tier des Jahres.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Apollofalter ist ein großer Tagfalter und erreicht eine Flügelspannweite von 70 bis 85 Millimeter. Die Flügel sind breit, ganzrandig, nur dünn beschuppt und stellenweise transparent. Die Oberseite der Flügel ist weißlich behaart. Des weiteren zeigen die Vorderflügel eine stumpfe gerundete Spitze. Der Außenrand der Vorderflügel ist mit drei Millimetern unbeschuppt. Markantes Merkmal beim Apollofalter sind die großen weißgekernten roten Augenflecken und die zwei kleinen Querflecken auf den Hinterflügeln. Auf der Oberseite der Vorderflügel in der Postdiskalregion (Flügelregion zwischen der Flügelmitte und der Randzone des Flügels) fehlt beim Männchen der rote Fleck gänzlich. Des weiteren ist der Hinterleib des Männchens schlanker und es befinden sich am Hinterleibsende die Greifzangen, die auch als Begattungsorgane (Valven) bezeichnet werden. Beim Weibchen ist der Hinterleib dicker und das Hinterleibsende ist stumpfer ausgeprägt. Die keulenförmigen hellgrauen Fühler sind relativ kurz und weisen schwach gezeichnete schwarze und weiße Ringe auf.

Die Fühlerspitzen sind dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Die Lippentaster und Kiefertaster (Palpi) sind kurz und spitz und zeigen eine lange dunkle Behaarung. Die Palpi überragen nur wenig den Kopf. Der Körper ist oberhalb dunkel und weist eine weiße bis graue Behaarung auf. Unterhalb ist der Körper etwas heller gefärbt und es zeigt sich eine dichte weiße bis gelblichgraue Behaarung, die auf den Analrand der Hinterflügel übergeht. Die Hinterflügel sind am Analrand dicht schwarz behaart. Die Beine sind hellbraun und weisen helle oder dunkel geringelte Tarsen (Füße des Beines) auf. Am Abdomen befinden sich porenartige Öffnungen (Stigmen), die als dunkle Punkte zu erkennen. Ansonsten wirkt der gesamte Körper durch die zottige Behaarung eher plump. Aufgrund dessen erscheint der Flug des Apollofalters auch etwas schwerfälliger.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Parnassius apollo nevadensis Oberthür - Sierra Nevada
Parnassius apollo filabricus de Sagarra - Sierra de los Filabres
Parnassius apollo gadorensis Rougeot & Capdeville - Sierra de Gádor
Parnassius apollo hispanicus Oberthür - Spanien
Parnassius apollo rhodopensis Markovic - Griechenland und südlicher Balkan
Parnassius apollo vinningensis Stichel, 1899 - Mosel, Deutschland

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet des Apollofalters ist das europäische Mittelgebirge. Des weiteren trifft man den Apollofalter in Südskandinavien, Deutschland, Spanien sowie im Balkan, in Griechenland und auf der Halbinsel Peloponnes an. Der Lebensraum des Apollofalters erstreckt sich vor allem von der Talsohle bis in die Hochgebirgstäler und ist in Höhen von 2000 Metern zu finden. Er lebt vorwiegend an warmen Hängen, Hügeln und steil abfallenden Felshängen, an denen verschiedene Futterpflanzen vorkommen, die auf reichhaltigen Kalkböden wachsen.

Apollofalter
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Apollofalter

In Deutschland kommt der Apollofalter vorwiegend im Blautal bei Blaubeuren und im Altmühltal sowie an der Mosel vor. Dort sucht er die felsigen Südhänge mit alten Weinbergsmauern auf. In dieser Region gedeiht auch vortrefflich die Weiße Fetthenne (Sedum album), von der sich speziell die Raupen des Apollofalters ernähren.

Ernährung

Raupe
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Raupe

Der Apollofalter ernährt sich von nektarspendenden Pflanzen, dazu gehören unter anderem die Flockenblumen (Centaurea), der Wilde Majoran (Origanum vulgare) und die Disteln, dabei werden gerne die Distelköpfe ausgesaugt. Die Raupen bevorzugen insbesondere die Weiße Fetthenne (Sedum album) sowie die Große Fetthenne (Sedum telephium maximum), die hauptsächlich in warmen trockenen Gebieten auf nährstoffarmen Stein- und Felsböden wachsen.

Fortpflanzung

Die Flugzeit des Apollofalters findet von Mai bis September statt. Während dieser Zeit erfolgt auch die Paarung. Der Apollofalter bildet pro Jahr nur eine Generation. Das Männchen fliegt im Brutgebiet an Berghängen und das Weibchen schwebt dagegen in Bodennähe. Beim begatteten Weibchen befindet sich ventalwärts am Hinterleib ein taschenartiger, horniger Anhang. Der Anhang (Sphragis) entsteht erst bei der Kopulation durch Erstarrung eines männlichen Sekrets. Nach der Begattung legt das Weibchen im Sommer flache weiss glänzende Eier nahe der Futterpflanze ab. Die Raupen überwintern vollständig entwickelt in der Eihülle. Der Ruhezustand der Raupen kann zwei lange Winter andauern. Im Frühling sobald die Futterpflanze austreibt schlüpfen die Raupen. Die Raupen des Apollofalters sind samtschwarz und mit rötlichen oder gelblichen Flecken beidseits bedeckt und erreichen eine Körperlänge von etwa 50 Millimetern.

Apollofalter
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Apollofalter

Die Raupen fressen grundsätzlich nur bei Sonnenschein die Blätter der Futterpflanzen. Bei Bewölkung suchen die Raupen Schutz unter Steinen oder unter Moos. Nach etwa sechs Wochen verpuppen sich die Raupen. Außergewöhnlich bei dem Apollofalter ist, daß die behaarten Raupen keine Gürtelpuppe bilden, sondern sich in einer kokonartigen Hülle (Gespinst) am Boden unter Steinen oder Moos verpuppen, was bei Ritterfaltern sehr selten vorkommt. Die Form der Puppen wirkt gedrungen und dick und ist von bläulich bis bräunlich schimmernder Färbung, wodurch die Puppen sehr gut getarnt sind. Die Dauer der Puppenruhe ist sehr variabel. Sie schwankt zwischen acht und zehn Tagen oder kann sogar mehrere Wochen betragen. Infolgedessen kommt es gelegentlich zu einer ungewöhnlichen langen Flugzeit des Apollofalters. Aus den Puppen schlüpft dann im Folgejahr nur eine Generation des Apollofalters.

Der Apollofalter ist mittlerweile durch den Verlust seines Lebensraumes stark gefährdet. Ursachen sind die Verbuschung und Verwaldung der ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Lebensräume. Aber auch die übermäßige landwirtschaftliche Nutzung führten zum starken Rückgang der Populationen des Apollofalters in Nordeuropa und Mitteleuropa.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Kosmos, 2003 ISBN 3440093301
  • Leon Rogez: Schmetterlinge und Raupen. Ensslin im Arena Verlag, 2006 ISBN 3401452541
  • Thomas Ruckstuhl: Schmetterlinge und Raupen. Gondrom Verlag, 2001 ISBN 3401452541
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X

Links

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