Gebirgsküken

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Gebirgsküken

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Südfrösche (Leptodactylidae)
Unterfamilie: Leptodactylinae
Gattung: Echte Pfeiffrösche (Leptodactylus)
Art: Gebirgsküken
Wissenschaftlicher Name
Leptodactylus fallax
(Müller, 1926)

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Das Gebirgsküken (Leptodactylus fallax), auch unter dem Synonym Leptodactylus dominicensis sowie unter der Bezeichnung Antillen-Ochsenfrosch bekannt, zählt innerhalb der Familie der Südfrösche (Leptodactylidae) zur Gattung der Echten Pfeiffrösche (Leptodactylus). Im Englischen wird das Gebirgsküken giant ditch frog oder mountain chicken genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Diese Art ist eine der größten Frösche der Welt. Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 16,0 bis 16,5 Zentimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 20,0 bis 21,0 Zentimeter erreichen kann. Das Gewicht beträgt etwa 900,0 Gramm. Die Farbe dieser Art ist sehr variabel. Die Oberseite weist meist ein einheitliches Kastanienbraun auf. Die Färbung erscheint manchmal fleckig. An den Seiten des Körpers zeigt sich eine orange-gelbe Färbung und die Unterseite ist von einer hellgelben Tönung. Ein schwarzer Streifen verläuft von der Schnauze bis zu den Mundwinkeln. Die Oberfläche der Beine hat oft breite Streifen. Ferner weist die Art einen markanten, dunklen Umriss von der Rückseite des Kopfes bis zur Leistengegend. Auffallend sind die großen Augen, die eine dunkle Pupille und eine goldfarbene Iris aufweisen. Der Körper wirkt ziemlich robust mit einem großen Kopf und muskulösen Beinen. Das Männchen besitzt schwarze Sporne an den Daumen, mit denen sich das Männchen während des Amplexus am Weibchen festhält.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN lebt die Art in dichter sekundärer Vegetation und auf Plantagen (nur auf Dominica), in Schluchten sowie in überschwemmten Wäldern und ist eine erd- und nachtaktive Art. Die Art versteckt sich im Laufe des Tages in Höhlen, die sich im feuchten Wald befinden. Es scheint als ob das Tier mit bestimmten Bodenarten, die das Graben der Nester ermöglichen, in Verbindung steht.
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Die Eier werden in Schaumnester am Boden einer Höhle abgelegt. Die Kaulquappen (26 bis 43 pro Nest) entwickeln sich terrestrisch im Nest und nicht im Wasser. Sowohl das Männchen als auch das Weibchen bewachen das Nest. Die Kaulquappen ernähren sich von den unbefruchteten Eiern, die von dem Weibchen in dem Schaumnest abgelegt wurden.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Art hauptsächlich auf der westlichen Seite von Dominica vor. Es gibt eine weitere begrenzte Population, möglicherweise transloziert bzw. wieder eingeführt, auf der östlichen Seite von Dominica sowie im Norden von Montserrat. Eine weitere Population wurde auf Jamaika und in Puerto Rico eingeführt, aber dies war erfolglos. Auf Guadeloupe, Martinique, St. Kitts ist die Population ausgestorben und vielleicht lebte die Art auch einmal auf St. Lucia und Antigua. Die Verbreitung ist nun auf Dominica auf einer Fläche von etwa 25 Quadratkilometer und etwa 20 Quadratkilometer auf Montserrat beschränkt. Auf Dominica lebt die Art in einer Höhe bis zu 400 Meter über NN, aber relativ selten. Auf Montserrat kommt die Art in einer Höhe bis zu 430 Meter über NN vor. Nativ ist die Art nur noch auf Dominica und auf Montserrat vorhanden. Regional ausgestorben ist die Art auf Guadeloupe, Martinique, St. Kitts und Nevis.

Ernährung

Die Art ist ein gefräßiger Frosch mit einem unersättlichen Appetit und frißt alles was in seine Schnauze paßt. Die Beute wird meist im Ganzen geschluckt. In seinem Lebensraum ist der Frosch gut getarnt und verhält sich bei der Jagd von Beute ganz ruhig, bevor er aus dem Hinterhalt nach der Beute schnappt. Die Jagd und Nahrungsaufnahme erfolgen meist in der Nacht. Die Nahrung ist sehr vielfältig. Zum Nahrungsspektrum zählen unter anderem Grillen, Tausendfüßer, Krebstiere und sogar kleine Wirbeltiere wie andere Frösche, Schlangen und kleine Säugetiere. Den Tag verbringt der Frosch in Höhlen, die er in feuchter Erde gräbt.

Fortpflanzung

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Der Frosch hat eine höchst ungewöhnliche Methode der Fortpflanzung als Gegensatz zu den meisten anderen Amphibien, die im Wasser reproduzieren. Dieser Frosch legt unterirdische Höhlen bis zu 50 Zentimeter tief an. Die Reproduktionsphase beginnt Ende der Trockenzeit, in der Regel im April, wenn die Regenzeit vor August beginnt und im September endet. Zu Beginn dieser Saison beginnen die männlichen Frösche untereinander um die besten Nistplätze zu konkurrieren. Dabei stoßen sie auf Waldwegen und auf Lichtungen im Unterholz laute keuchende Rufe aus. Das siegreiche Männchen gräbt einen Nistplatz und sendet trillernde Rufe, um so eine weibliche Partnerin anzulocken. Nachdem sich ein Paar gefunden hat, beginnt die Kopulation mit einer Umklammerung des Weibchens. Das Weibchen wird zur Eiablage stimuliert, dabei wird eine Flüssigkeit abgesondert, die das Männchen mit schnellen Bewegungen der Hinterbeine zu Schaum schlägt. Sobald das Nest gebaut ist, dies dauert etwa 9 bis 14 Stunden, verläßt das Männchen die Höhle, um das Nest vor Eindringlingen zu verteidigen und zu schützen. Nach dem Schlupf der Kaulquappen legt das Weibchen bis zu 25.000 unbefruchtete Eier, die für die Ernährung der Kaulquappen sehr wichtig sind. Die Entwicklung der Kaulquappen dauert etwa 45 Tage. In dieser Zeit erneuert das Weibchen ständig das Schaumnest und verläßt das Nest nur, wenn sie auf Jagd geht. Mit Beginn der Regenzeit, wenn reichlich Nahrung vorhanden ist, verlassen 26 bis 43 Jungfrösche das Nest. Diese Art erreicht die Geschlechtsreife in einem Alter von etwa drei Jahren. Unter günstigen Lebensbedingungen kann der Frosch ein Alter von etwa zwölf Jahren erreichen. Geschlechtsreife Weibchen produzieren nur eine Brut pro Saison, aber männliche Frösche können mit mehreren Weibchen Nachkommen zeugen.

Gefährdung und Schutz

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Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art als kritisch gefährdet gesehen, weil ein drastischer Rückgang der Population, schätzungsweise mehr als 80 Prozent in den letzten zehn Jahren, zu beobachten ist. Der größte Teil der Population ist aufgrund von Chytridiomykose und Vulkanausbrüchen vom Aussterben bedroht. Ferner wird das Fleisch gerne vom Menschen konsumiert und diese führte ebenfalls zum Niedergang dieser Art. Deutliche Verluste von Lebensraum sind auch über einen großen Teil seiner Verbreitung durch die Landwirtschaft und Siedlungs-Projekte für Touristen zu verzeichnen. Die Populationen auf Montserrat sowie im Süden von Soufrière Hills und Garibaldi Hill wurden von Lavaströmen der jüngsten Vulkanausbrüche vollständig dezimiert. Die Population auf Dominica (Insel der Kleinen Antillen), wo die Art einst häufig vorkam, ist seit 2002 bis in die Gegenwart aufgrund der Pilzkrankheit Chytridiomykose stark zurückgegangen. Dieser Rückgang setzt sich fort und scheint sich deutlich auf die meisten, wenn nicht alle, Populationen in diesem Land auszuwirken.

Die Art ist auf Montserrat seit dem Zyklon Hugo im Jahr 1989 und dem Vulkanausbruch des Schichtvulkans Soufrière Hills im Jahr 1995 im Niedergang begriffen, aber die Analyse der Datenzählung bestätigt dies nicht. Im östlichen Teil von Montserrat lebt noch eine Population, jedoch ist dieser Teil relativ unzugänglich. Auf Dominica war die Population im geeigneten Lebensraum noch zahlreich, trotz Konsumierung, jährlich gejagter Tiere etwa 8.000 bis 35.000. Der drastische Rückgang begann im Jahr 2002/2003 und so steht die Art kurz vor dem Aussterben. Um dies zu verhindern, sind rigorose Schutzmaßnahmen einzuführen. In der Regel befindet sich ein Schutzgebiet auf Dominica, aber dort gibt es sehr wenig Tiere oder gar keine mehr. In einigen Zoos wie in Jersey (Montserrat Herkunft) und in St. Louis (Dominica Herkunft) leben Populationen. Seit 2003 ist die Jagd auf Dominica nicht mehr erlaubt. Ferner haben öffentliche Bewußtseins-Aktionen stattgefunden, um die Öffentlichkeit auf Dominica von der Größe der Bedrohung aufgrund der illegalen Jagd zu unterrichten.

Anhang

Siehe auch

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Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Kurt Brauer, Annette Bromma: Kröten. Urania, Freiburg (1991). ISBN 3332003798

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