Antennen-Rochen

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Antennen-Rochen

Systematik
Klasse: Knorpelfische (Chondrichtyes)
Unterklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
Überordnung: Rochen (Batoidea)
Ordnung: Myliobatiformes
Familie: Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae)
Gattung: Plesiotrygon
Art: Antennen-Rochen
Wissenschaftlicher Name
Plesiotrygon iwamae
Rosa, Castello & Thorson, 1987

IUCN-Status
Data Deficient (DD)

Der Antennen-Rochen (Plesiotrygon iwamae) zählt innerhalb der Familie der Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae) zur Gattung Plesiotrygon. Im Englischen wird der Antennen-Rochen long-tailed river stingray oder antenna ray genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Laut der Roten Liste der IUCN ist derzeit die Gattung Plesiotrygon monotypisch als in der ursprünglichen Beschreibung angegeben (Rosa et al. 1987). Ross und Schäfer (2000) deuten auf die Möglichkeit einer zweiten, noch unbeschriebenen Art in der Gattung Plesiotrygon hin. Carvalho et al. (2003), vermutlich auf Ross und Schäfer (2000) basierend, erwähnen, dass es eine neue Art geben könnte, jedoch stehen keine Proben oder steht keine Beschreibung dieser vermeintlichen neuen Art zur Verfügung und daher ist ihre Existenz sehr zweifelhaft.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Antennen-Rochen erreicht einen Durchmesser von bis zu 65 Zentimeter und eine Totallänge, einschließlich Schwanz, von etwa 200,5 Zentimeter (weibliche Exemplare). Die Grundfärbung des Körpers ist graubraun bis rotbraun. Auf der Oberseite sieht man zahlreiche schwach gezeichnete große und kleine Flecken. Ober- und unterseits ist am Schwanz ein kleiner Flossensaum zu erkennen. Auf der Oberseite des Schwanzes besitzt der Antennen-Rochen spitze Giftstachel, die der Verteidigung dienen. Vor allem für alte und geschwächte Menschen sowie für Kinder kann ein Stich durchaus tödlich enden. Ventral zeigt sich eine hellbraune bis cremefarbene Färbung. Eine bräunliche Zeichnung kann ventral vorhanden sein. Die Augen liegen auf der Oberseite im vorderen Bereich der Scheibe und treten deutlich hervor. Die Schnauze ist kurz und setzt sich nur wenig von der Scheibe ab.

Lebensweise

Antennen-Rochen Oberseite
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Antennen-Rochen Oberseite

Laut der Roten Liste der IUCN erreicht der Antennen-Rochen einen Scheiben-Durchmesser von bis zu 65 Zentimeter und eine Totallänge, einschließlich Schwanz von etwa 200,5 Zentimeter (weibliche Exemplare) (Rosa et al. 1987). Zwischen den Geschlechtern besteht ein Dimorphismus (Charvet-Almeida 2001). Im Allgemeinen findet man wenig Informationen über diese Art. Einige reproduktive Überlegungen sind in Charvet-Almeida et al. (2005) enthalten, die zeigen, dass die Paarung während der Regenzeit stattfindet und die Tragzeit bis zu 8 Monaten dauern kann. Die Geburts-Saison findet beim Übergang von der Trocken- zur Regenzeit statt und die Entwicklung dauert etwa 3 Monate. Die Fruchtbarkeit variiert zwischen ein und zwei Jungtieren. Die Geschlechtsreife beginnt bei den Männchen mit einer Durchschnittsgröße von etwa 40,0 Zentimeter und bei den Weibchen mit einer Durchschnittsgröße von etwa 50,0 Zentimeter (Charvet-Almeida et al. 2005). Das Verbreitungsgebiet dieser Art befindet sich im Mündungsdelta des Amazonas und wird stark von saisonalen Schwankungen und vom Salzgehalt beeinflußt (Charvet-Almeida 2001, Almeida 2003 jetzt in den Referenzen enthalten).

Die gleiche Variante scheint auch direkte Auswirkungen auf die Fortpflanzung der Art in diesen Regionen zu haben (Charvet-Almeida 2001, Charvet-Almeida et al. 2005). Es wird vermutet, dass das Weibchen kurz vor der Geburt die Kanäle der Marajó Bay Region aufsucht, wo der Salzgehalt mit dem Beginn der Trockenzeit steigt und diese Bewegung scheint mit der Geburt bei dieser Art überein zu stimmen (Charvet-Almeida 2001). Rosa et al. (1987) untersuchten den Inhalt der Mägen von drei Exemplaren und stellten dabei fest, dass der Antennen-Rochen sich von Schmerlenwelsen (Trichomycteridae) ernährt. Des Weiteren fanden sie andere Knochenfische (Osteichthyes), Insekten (Insecta) sowie Felsen- und Partnergarnelen (Palaemonidae). Andere Studien ergaben, dass sich eine höhere Anzahl von Felsen- und Partnergarnelen (Palaemonidae), Asseln (Isopoda), Grundeln (Gobiidae) und Schwimmkrabben (Portunidae) (Charvet-Almeida 2001, Bragança 2002) in den Mägen einiger Individuen befanden.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN lebt der Antennen-Rochen in den südamerikanischen Binnengewässern und ist von Ecuador bis nach Manaus sowie bis nach Brasilien, einschließlich Peru, verbreitet. Man findet ihn in den Flüssen Napo und Solimões (im oberen und mittleren Amazonas) (Rosa 1985, Rosa et al. 1987), im Içá River (Charvet-Almeida pers. obs.), im unteren Amazonaslauf (Charvet-Almeida 2001, Carvalho et al. 2003) und in der Amazonas-Mündung (Charvet-Almeida 2001).

Ernährung

Antennen-Rochen Oberseite
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Antennen-Rochen Oberseite

Als tagaktive Jäger gehen Antennen-Rochen vorzugsweise am Tage auf Nahrungssuche. Dazu durchwühlen sie den schlammigen Boden ihres Gewässers nach Nahrung. Gelegentlich machen sie im Freiwasser auch Jagd auf kleinere Fische. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören neben Fischen auch Würmer, Krebstiere wie Garnelen, Muscheln sowie Wasserinsekten und deren Larven. Jungtiere suchen oftmals in der Dämmerung nach Nahrung und halten sich tagsüber gerne am Grund auf, wo sie sich eingraben.

Fortpflanzung

Der Antennen-Rochen erreicht die Geschlechtsreife mit zwei bis drei Jahren. Er gehört zu den lebendgebärenden Fischen. In den tropischen Verbreitungsgebieten ist die Paarungszeit an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, jedoch fallen die meisten Geburten in die Regenzeit. Nach einer Tragzeit von bis zu 8 Monaten bringt das Weibchen durchschnittlich zwei Jungtiere zur Welt. Die Wurfgröße richtet sich stark nach dem Alter und dem Ernährungszustand des Weibchens. Nach dem Schlupf sind die Jungfische auf sich alleine gestellt, da seitens des Weibchens keine Brutpflege betrieben wird. Je nach Wurfgröße weisen die Jungrochen einen Durchmesser von acht bis fünfzehn Zentimeter auf.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Antennen-Rochen nicht nur im Süßwasser zu finden, sondern ist im gesamten Amazonas-Fluss verbreitet. Er ist eine mäßig große Art und erreicht einen Scheiben-Durchmesser von bis zu 65 Zentimeter, mit geringer Fruchtbarkeit (durchschnittlich zwei Jungtiere) und wahrscheinlich weist er die längste Tragzeit (bis zu 8 Monate) unter den Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae) auf. Daten über begrenzte Lebensdauer und Populations-Daten dieser Art werden benötigt, um die Überwachung und Untersuchung in Bezug auf die Lebensweise und Populations-Dichte besser bzw. genauer durchführen zu können. Die Art wird für kommerzielle Zwecke, vor allem die Jungtiere werden für den Zierfischhandel gefangen. Jedoch ist die Nachfrage aufgrund seiner Größe und der grauen Farbe (im Vergleich zum Pfauenaugen-Stechrochen (Potamotrygon motoro) zu wenig attraktiv) relativ gering. Diese Art wird auch in einigen Regionen des Amazonas als Nahrung verwendet, gehört aber nicht zu den wichtigsten Fischerei-Arten.

Antennen-Rochen Unterseite
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Antennen-Rochen Unterseite

In der Regel landet der Antennen-Rochen als Beifang in Langleinen und Treibnetzen. Die Verfolgung wurde auch für diese Art in einigen Bereichen (Charvet-Almeida und Almeida pers. obs.) beobachtet. Denn jede Art von Erzeugnissen der Fischerei ist auch für diese Art von Belang, da der Antennen-Rochen eine nicht sehr verbreitete Art ist und auch eine geringe Fruchtbarkeit sowie einen sehr langen Fortpflanzungszyklus aufweist (Charvet-Almeida 2001, Charvet-Almeida et al 2005). Eine weitere Bedrohung ist der Verlust und die Zerstörung von Lebensraum. Das Vorhandensein und die Zunahme der Abholzung verbunden mit dem Bergbau sowie landwirtschaftliche Tätigkeiten tragen ebenfalls zu den negativen Auswirkungen für diese Art bei. Des Weiteren führen landwirtschaftliche Abfälle zu Ablagerungen und Wasserverschmutzungen. Auch die Entwicklung der Industrie, der Bau von Staudämmen, die Wasserverschmutzung unterschiedlicher Herkunft, die Ölpest, das Abwasser sowie feste Abfälle beeinflussen sicherlich seinen Lebenszyklus negativ. Eine weitere Bedrohung für diese Art sind die menschlichen Störungen, vor allem der Tourismus verbunden mit der Erholung an den flachen Küstenstreifen, wo auch die Antennen-Rochen ihre Jungen zur Welt bringen.

Die meisten Maßnahmen zur Erhaltung dieser Art müßten noch umgesetzt werden und nur wenige sind derzeit im Gange. Einige Forschungsergebnisse werden schon durchgeführt und betreffen im Wesentlichen Studien über die Biologie, Ökologie und Populationsdynamik. Für diese Art sind Erhaltungsmaßnahmen und ein Community-Management erforderlich, die Bewirtschaftungspläne spezifischer Gesetzgebungen beinhalten (sowohl Entwicklung als auch Umsetzung). Der Zierfischhandel mit den Jungtieren muß unbedingt reguliert werden, begrenzt durch ein Quotensystem und sollte für die nachhaltige Nutzung überwacht werden. Ebenfalls sollten andere Fischereien überwacht werden. Habitat-Pflege und Erhaltung, einschließlich der Verringerung von mehreren Umweltauswirkungen sind für die Erhaltung dieser Art nötig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Leighton Taylor: Haie und Rochen. Delius Klasing (März 1998) ISBN 3768812049

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