Antarktischer Seebär

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Antarktischer Seebär

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)
Gattung: Südliche Seebären (Arctocephalus)
Art: Antarktischer Seebär
Wissenschaftlicher Name
Arctocephalus gazella
Peters, 1875

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Antarktische Seebär (Arctocephalus gazella), der auch als Kerguelenseebär bekannt ist, zählt innerhalb der Familie der Ohrenrobben (Otariidae) zur Gattung der Südlichen Seebären (Arctocephalus) . Im englischen wird der Antarktische Seebär Antarctic Fur Seal oder Kerguelen Fur Seal genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Beim Antarktischen Seebär zeigt sich sowohl in der Körperlänge als auch beim Gewicht ein deutlicher Dimorphismus. Männchen erreichen eine Länge von 160 bis 200 Zentimeter und ein Gewicht von 100 bis 210 Kilogramm, Weibchen eine Länge von 120 bis 140 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30 bis 55 Kilogramm. Welpen weisen bei einer Länge von 60 bis 70 Zentimeter ein Gewicht von 4,5 bis 6,5 Kilogramm auf. Wie bei allen Ohrenrobben zeigen sich bei den Antarktischen Seebären seitlich am Schädel kleine externe Ohren. Das sehr dichte Fell ist sowohl wasser- als auch winddicht. Es besteht aus einer dichten Unterwolle und oben aufliegenden Grannenhaaren, die eine graubraune Färbung aufweisen. Männchen verfügen im Schulterbereich über eine dichte Mähne. Diese fehlt den Weibchen völlig. Der relativ kleine Kopf setzt sich nur wenig vom Körper ab und endet in einer spitz zulaufenden Schnauze. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Augen der Antarktischen Seebären sind ausgesprochen groß und erlauben unter Wasser eine gute Sicht. Das kräftige Gebiss weist 36 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet 3/2, 1/1, 4/4, 2/1. Weibchen verfügen im Abdominalbereich zum Säugen des Nachwuchses über 2 Paare Zitzen.

Lebensweise

An Land leben Antarktische Seebären in geselligen Kolonien, wobei Bullen eine ausgesprochen territoriale Lebensweise an den Tag legen. Weibchen sind untereinander mehr oder weniger tolerant. Am Land sind sie trotz ihres plumpen Aussehens sehr beweglich, im Wasser entfalten sie jedoch ihre ganze Eleganz. Sie gelten als gute Schimmer und Taucher. Sie erreichen Tauchtiefen von bis zu 250 Metern und Tauchzeiten von bis zu zehn Minuten. Die durchschnittlichen Tauchzeiten liegen jedoch nur bei 5 Minuten und einer Tiefe von 30 Metern.

Verbreitung

Die Fortpflanzungsgebiete liegen auf einigen Inseln im südlichen Polarmeer. Die größten Populationen (mehr als 90 Prozent) sind dabei auf Südgeorgien anzutreffen. Kleinere Kolonien sind auch von den Heard und den McDonaldinseln, den Crozetinseln, der Bouvetinsel, den Kerguelen, den Prinz-Edward-Inseln, den Südlichen Shetlandinseln sowie den Südlichen Sandwichinseln bekannt. Außerhalb der Paarungszeit wandern vor allem die Weibchen, mit Abstrichen auch Männchen, über weite Strecken. Die genauen Migrationsrouten sind jedoch unbekannt. Sichtungen sind aus dem südlichen Brasilien, Chile und Argentinien bekannt. Männchen bleiben gelegentlich ganzjährig in den Paarungsgebieten oder wandern nur wenig umher. Die Fortpflanzungsgründe liegen an zumeist steinigen und felsigen Küstenabschnitten.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Antarktischen Seebären gehören im Wasser insbesondere der Seeleopard (Hydrurga leptonyx) und der Große Schwertwal (Orcinus orca). Besonders gefährdet sind Jungtiere und juvenile Tiere.

Ernährung

Hauptnahrung: Antarktischer Krill (Euphausia superba)
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Hauptnahrung: Antarktischer Krill (Euphausia superba)

Antarktische Seebären ernähren sich hauptsächlich von Antarktischem Krill (Euphausia superba). Zu einem kleinen Teil stehen hin und wieder auch Fischen (Osteichthyes) und Weichtiere (Mollusca) wie Kalmare (Teuthida) auf der Speisekarte. Aber auch auf dem Wasser treibende Seevögel (Aves) werden keineswegs verschmäht. Weibchen ernähren sich fast ausschließlich von Krill und anderen kleinen Krebstieren (Crustacea). Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt zumeist in der Nacht.

Fortpflanzung

Antarktische Seebären erreichen die Geschlechtsreife mit rund vier Jahren, Männchen kommen meist erst sehr viel später zu ihrer ersten Paarung, da sie in jungen Jahren in den Rivalenkämpfen noch nicht bestehen können. Die Paarungszeit erstreckt sich über die Monate November bis Januar. Dies ist in der südlichen Hemisphäre der Sommer. Die Männchen treffen vor den Weibchen in den Kolonien ein und stecken zunächst ihr Revier ab. Während der Paarungszeit versuchen dominierende Männchen ein Harem mit Weibchen um sich zu scharen. Dabei kommt es unter den großen Männchen häufig zu erbitterten Gefechten um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Kämpfe sind ausgesprochen kräftezehrend, die Bullen verlieren jeden Tag ein bis zwei Kilogramm an Gewicht. Würden sie zwischendurch ins Wasser zurückkehren, würden sie ihr Revier verlieren. Ein Bulle begattet alle geschlechtsreifen Weibchen in seinem Harem. Die Lebensweise ist also seitens der Männchen ausgesprochen polygam. Ein durchschnittlicher Harem besteht aus vier bis fünf Weibchen. Bevor es zur Paarung kommt, bringen die Weibchen ihren Nachwuchs zur Welt. Der Östrus der Weibchen erstreckt sich über sechs bis acht Tage. Nach der eigentlichen Paarung verzögert sich die Entwicklung des Embryos (Keimruhe) für rund drei bis vier Monate. Daraus ergibt sich dann eine Gesamttragezeit von etwa 340 bis 360 Tagen. Es wird lediglich ein Jungtier geboren. Es weist ein Gewicht von 5.500 bis 6.000 Gramm auf. Das Fell ist anfangs durchweg dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Nach der Geburt bleibt die Mutter die ersten zehn Tage beim Jungtier. Erst danach geht sie erstmals auf Nahrungssuche. In der Regel ist sie bis zu drei bis fünf Tage auf Nahrungssuche und bleibt danach für ein bis zwei Tage bei ihrem Jungtier. Die Jungtiere leben während der Abwesenheit ihrer Mütter in kleinen Gruppen. Die Säugezeit richtet sich sehr stark an dem Nahrungsangebot aus. Sie liegt durchschnittlich bei vier Monaten. Mit dem Absetzen von der Muttermilch ist der Nachwuchs selbständig. Die Lebenserwartung der Weibchen in Freiheit liegt bei 23 Jahren, die Männchen erreichen ein Alter von bis zu 15 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die größte Gefahr geht für die Antarktischen Seebären heute von der Überfischung der Meere aus. Im Südpolarmeer wird mittlerweile kräftig nach Antarktischem Krill (Euphausia superba) - der Hauptnahrung der Antarktischen Seebären und vieler anderer Tiere. Krill wird mittlerweile im Großen Stil kommerziell abgefischt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Antarktischen Seebären vom Menschen wegen des Fleisches, des Felles und des Öles gejagt. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Man rottete die Art fast vollständig aus, ehe sie in letzter Sekunde unter Schutz gestellt wurden. Heute geht man wieder von gesunden und weiterhin leicht steigenden Beständen aus. Das Washingtoner Artenschutzabkommen, CITES, stellt den Antarktischen Seebären in Anhang II des Abkommens unter Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Die Bestände werden auf etwa vier Millionen Individuen geschätzt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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