Antarktischer Krill

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Antarktischer Krill

Systematik
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Unterklasse: Eumalacostraca
Überordnung: Eucarida
Ordnung: Krill (Euphausiacea)
Familie: Euphausiidae
Gattung: Euphausia
Art: Antarktischer Krill
Wissenschaftlicher Name
Euphausia superba
Dana, 1850

Der Antarktische Krill (Euphausia superba) zählt innerhalb der Familie der Euphausiidae zur Gattung Euphausia.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Antarktische Krill kann eine Körperlänge von 50 bis maximal 63 Millimeter erreichen und wiegt etwa zwei Gramm. Seine maximale Körperlänge entwickelt er innerhalb von drei bis fünf Jahren. Der Antarktische Krill hat eine typische Garnelengestalt. Der Körper ist langgestreckt und aus zwei großen Abschnitten zusammengesetzt, dem durch den Carapax (harte Bedeckung der Körperoberseite) zu einem einheitlichen Stück verschmolzenen, kurzen Cephalothorax (Vorderleib) und dem manchmal doppelt so langen Pleon (Hinterleib) aus sechs getrennten Segmenten. Der Carapax bedeckt zwar den Rücken bis zum Hinterrand des Thoax, er bleibt an den Seiten aber so schmal, daß die Basen der Thorakopoden (Schreitbeine) samt den Kiemen sichtbar sind. Der Körper endet mit einem spitzen Telson (Grenze, Grenzfurche), das in seinem hinteren Drittel einen schlanken Fortsatz trägt, der die Schwanzplatte noch überragt. Durch diese sogenannten Subapikalanhänge unterscheidet sich der Krill (Euphausiacea) ebenso wie durch die freiliegenden Kiemen von den Zehnfußkrebsen (Decapoda) und auch von den ihnen in der Gestalt ähnlichen Schwebegarnelen (Mysida).

Alle Rumpfsegmente tragen Gliedmaßen. Die acht Thorakopodenpaare sind ursprünglich gleichartige Spaltbeine mit langem Endopodit (innerer Ast) und kurzem, ruderartigem Exopodit (äußerer Ast). Die beiden letzten Brustbeinpaare sind oft sehr weitgehend zurückgebildet. An den Hüftgliedern der Beine befindet sich ein Epipodit (äußerer Anhang am Spaltfuß), der zu einer verästelten und meist spiralförmig aufgedrehten Schlauchkieme geworden ist. Diese Kiemen nehmen von vorn nach hinten an Größe zu und stellen am letzten kleinsten Beinpaar große Büschel dar. Sie erhalten von den Exopoditen der Thorakopoden ständig frisches Atemwasser zugerudert. Zum Schwimmen sind diese Ruderbewegungen jedoch nicht geeignet. Dazu dienen vielmehr die fünf kräftigen Pleopodenpaare (erstes Beinpaar des Hinterleibes), deren Muskulatur sich in den großen Pleomeren (Hinterleib) befindet. Die schlanken Uropoden (letztes Beinpaar des Hinterleibes) am sechsten Pleomer bilden mit dem Telson einen Schwanzfächer. Der Antarktische Krill hat eine holoplanktonische Lebensweise, das heißt, er schwimmt oder schwebt während seines ganzen Lebens und in allen Entwicklungsstadien.

Wal beim Krillfang
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Wal beim Krillfang

Der Antarktische Krill tritt in dichten Schwärmen auf. Die Schwärme setzen sich in der Regel aus Individuen gleichen Alters zusammen. Der Antarktische Krill hält sich auch am Tage an der Wasseroberfläche auf. Die Schwärme nehmen ein Areal von einigen hundert Quadratkilometer ein. Die Tiere schwimmen darin dicht an dicht, verlassen nie den Schwarm, finden sich bei gewaltsamer Störung immer wieder zusammen und auch wenn der Schwarm durch verschiedene Marschrichtungen auseinanderzureißen droht, kommt es doch nie zur völligen Teilung. Sie strömen immer wieder zusammen. Man nimmt an, daß von einer bestimmten Altersstufe an, alle Tiere in ihrem Schwarm bis ans Lebensende verbleiben.

In sehr engem Zusammenhang mit der Schwarmbildung scheint das Leuchtvermögen des Antarktischen Krills zu stehen. Die Leuchtorgane stehen paarweise an den Augenstielen sowie an den Hüften des zweiten und siebten Thorakopoden und an den vorderen vier Pleomeren findet sich je ein Einzelorgan zwischen den Hüften der Pleopoden. Insgesamt sind also zehn Organe vorhanden. Im Zentrum des Leuchtorgans liegt ein aus vielen Lamellen zusammengesetzter Streifenkörper. Er ist umgeben von großen Drüsenzellen, die das leuchtende Sekret erzeugen und dem Streifenkörper zuleiten. Nach hinten wird das Organ durch einen aus konzentrischen Schichten aufgebauter Reflektor abgeschirmt, der noch einmal von einem intensiv roten Pigmentmantel umgeben ist. Vor dem Streifenkörper liegt eine dicke Sammellinse, die allerdings den Organen der Augenstiele fehlt. Ein Lamellenring umgibt die Linse wie eine Irisblende, und bis an den Streifenkörper herantretende Nerven vervollständigen den Bauplan. Das ausgestrahlte Licht hat eine gelblich-grüne bis blaue Farbe. Die Strahlen sind im allgemeinen nach unten gerichtet. Der Antarktische Krill besitzt große leistungsfähige Augen und kann die Leuchtblitze des Nachbarn ohne Zweifel sehr gut wahrnehmen und braucht nur, wenn er vom Schwarm abgekommen ist, auf die Blitze zuzuschwimmen.

Verbreitung

Krill-Trawler
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Krill-Trawler

Um die Antarktis sind einige verstärkte Krillvorkommen zu verzeichnen. Zu den Regionen um die Antarktis gehören unter anderem die Gewässer im nördlichen Bereich der Antarktischen Halbinsel, die Scotia See, um South Georgia und Elefant Island und um die South Shetland Inseln und die Bellingshausensee. Des weiteren das Rossmeer im pazifischen Sektor und die Pryzd Bay im indischen Sektor der Antarktis. Der Antarktische Krill ist das wichtigste Glied in der Nahrungskette und die Hauptnahrung der Bartenwale (Mysticeti).

Prädatoren

Der Antarktische Krill dient vielen Tieren als ausgiebige Nahrungsquelle. So ernähren sich der Blauwal (Balaenoptera musculus) und der Finnwal (Balaenoptera physalus) in der Antarktis zu gewissen Zeiten ausschließlich vom Antarktischen Krill. Man fand in dem Magen eines 26 Meter langen Wals etwa fünf Millionen Exemplare dieses Krebses. Aber auch die Schwarmfische wie Heringe (Clupeidae), Makrelen und Thunfische (Scombridae) und Sardinen (Sardina pilchardus) jagen den Antarktischen Krill. Aber hauptsächlich bildet der Antarktische Krill die Grundnahrung der Bartenwale (Mysticeti).

Ernährung

Der Antarktische Krill ernährt sich von zahlreichen Organismen aus dem Wasser. Hauptsächlich ernährt er sich von Diatomeen (Diatomeen sind mikroskopisch kleine, einzellige Spalt- oder Kieselalgen mit
Krill-Fischer
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Krill-Fischer
einer meist sehr zierlich strukturierten Kieselhülle) wie zum Beispiel Thalassiosira ritscheri. Dabei werden allerdings nur Diatomeen mit einer Zell-Länge von 20 bis 40 μm bevorzugt und Zellen die eine Länge von 70 μm aufweisen, werden nicht gefressen. Des weiteren werden Algen wie Tropidoneis, Dactyliosolen, Chaetoceros und Gyrodinium von ihm gemieden. Neben Diatomeen nimmt er auch Eisorganismen zu sich. Diese Mikroorganismen werden mit Hilfe der sechs vorderen Thorakopodenpaare aus dem Wasser gefiltert. Die Beine strecken sich beim Fang schräg nach vorn und unten, so daß sie annähernd parallel zueinanderliegen. Die langen gefiederten und sehr dicht stehenden Borsten der basalen Beinglieder reichen bis zum nächsten Bein nach vorn und bilden so an der Mittellinie des Körpers eine engmaschige Netzwand, in der die Mikroorganismen hängenbleiben. Der Fang erfolgt nicht kontinuierlich, sondern portionsweise, indem der Antarktische Krill die langen beborsteten Endopodite ruckartig nach außen bewegt, so daß das planktonhaltige Wasser einströmt. Wenn sich die Beine wieder schließen, wird dieses Wasser durch die Borsten geseiht, an denen die Nahrungsteilchen hängenbleiben. Die Partikel werden von anderen Borsten ausgekämmt und von Bein zu Bein nach vorn zu den Mundgliedmaßen befördert.

Fortpflanzung

Beide Geschlechter leben getrennt und kommen etwa im gleichen Zahlenverhältnis vor. Der Antarktische Krill erreicht die Geschlechtsreife etwa nach drei Jahren. Die Hauptlaichzeit des Antarktischen Krill findet in den Monaten von Januar bis März statt. Die Begattung konnte man noch nicht beobachten und genau dokumentieren. Fest steht allerdings, dass dabei das Männchen mit Hilfe der beiden vorderen umgewandelten Pleopodenpaare seiner Partnerin zwei Spermatophoren in eine Samentasche einpflanzt. Das Weibchen kann bis zu 10.000 Eier legen. Die Eier werden frei und einzeln ins Wasser abgelegt. Die Eier sind so ausgewogen, daß sie in der gleichen Tiefe schweben, in der sie abgelegt wurden. Aus dem Ei schlüpft ein Nauplius (Primärlarve), der nach zwei Häutungen in einem Metanauplius (Jugendstadium) übergeht, dem dann noch drei weitere Larvenformen folgen. Der Metanauplius ernährt sich ausschließlich von seinen Dotterreserven. Die weiteren unterschiedlichen Larvenformen zeichnen sich vor allem durch die zunehmende Anzahl von Beinen aus. Des weiteren durch die Entwicklung der Facettenaugen und der Beborstung. Bei einer Körperlänge von etwa fünfzehn Millimetern weisen die Jungkrebse dann den gleichen Körperbau wie der adulte Antarktische Krill auf. Sie wachsen jedoch noch weiter und bei jedem Wachstumsschub kommt es dabei zu einer Häutung, die etwa alle 13 bis 20 Tage stattfindet und bei der der gesamte Chitinpanzer erneuert wird. Der Antarktische Krill kann ein hohes Alter erreichen, denn die Lebenserwartung liegt bei etwa sechs bis sieben Jahren.

Literatur und Quellen

  • Horst Füller...: "Wirbellose Tiere, Band 2". Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin. Auflage: 1 (1994) ISBN 3-332-00502-2

Weblinks

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