Amsterdamalbatros

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Amsterdamalbatros

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Albatrosse (Diomedeidae)
Gattung: Diomedea
Art: Amsterdamalbatros
Wissenschaftlicher Name
Diomedea amsterdamensis
Roux et al., 1983

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Amsterdamalbatros (Diomedea amsterdamensis) gehört innerhalb der Familie der Albatrosse (Diomedeidae) zur Gattung Diomedea. Im Englischen wird der Amsterdamalbatros amsterdam albatross oder amsterdam island albatross genannt. Dieses Taxon wurde in mehrere Spezies gesplittet: Diomedea amsterdamensis, Diomedea exulans, Diomedea dabbenena, Diomedea antipodensis und Diomedea gibsoni. Ferner wird dieses Taxon von einigen Autoren als Subspezies von Diomedea exulans im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Amsterdamalbatros ist ein großer Vogel, der in der Brutzeit mit einem braunen statt dem üblichen weißen Gefieder versehen ist. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 107,0 bis 112,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 280,0 bis 340,0 Zentimeter auf. Das Gewicht beträgt et3a 4,8 bis 8,0 Kilogramm. Das Obergefieder der adulten Vögel ist schokoladenbraun gefärbt. Das Gesicht, der Hals sowie der untere Brustbereich und der Bauch sind zum Teil weiß getönt. Ferner weist der Amsterdamalbatros eine breites braunes Brustband und braune Unterschwanzdecken auf. Der Schnabel ist von einer rosafarbenen Tönung, während die Spitze und die Kanten dunkel erscheinen. Die Flügelunterseiten sind mit Ausnahme der dunklen Spitzen und der äußeren Ränder weiß gefärbt.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN brütet der Amsterdamalbatros nur alle zwei Jahre. Das Brutgebiet befindet sich auf der Zentralen Hochebene der Insel in einer Höhe von etwa 500 bis 600 Meter. Es ist nur eine Brutkolonie bekant. Die Paarbindung hält ein Leben lang und die Paarungs- sowie die Brutzeit beginnen im Februar. In der Regel wird das Ei von Ende Februar bis März gelegt und der Jugendliche ist dann im Januar/Februar des folgenden Jahres flügge.
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Die immaturen Vögel kehren zwischen vier und sieben Jahren zur Brutkolonie zurück, aber fangen erst mit neun Jahren an zu brüten. Der Amsterdamalbatros ernährt sich von Fischen, Tintenfischen und von Krebstieren. Während der Brutzeit entfernen sie sich von der Insel Amsterdam und ziehen in die tropischen Gewässer zu den Nahrungsplätzen, dabei legen sie eine Entfernung bis zu 2.200 Kilometer zurück.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Art auf dem Plateau Tourbières der Insel Amsterdam (French Southern Territories) und im südlichen Indischen Ozean vor. Die Gesamtpopulation zählt etwa 130 Vögel einschließlich 80 geschlechtsreife Individuen und etwa 18 bis 25 Brutpaare, die nur alle zwei Jahre brüten. Als die erste Zählung durchgeführt wurde, zeigte sich seit 1984 eine Zunahme. Die Population dürfte früher größer gewesen sein. Satelliten-Aufzeichnungen zeigten, dass sich die adulten Vögel außerhalb der Brutzeit vor der Küste des östlichen Südafrika und im Süden von West-Australien aufhalten. Auch wurden aus Australien und Neuseeland mögliche Sichtungen gemeldet. Im Jahre 2001 ergab die Zählung insgesamt etwa 130 Vögel, darunter 80 geschlechtsreife Individuen und 18 bis 25 Brutpaare. (Weimerskirch et al. 1997, Inchausti und Weimerskirch 2001). Zwischen den Jahren 2001 und 2007 ergab die Zählung etwa 24 bis 31 Brutpaare (Rivalan et al. 2010), so dass die Population wahrscheinlich aus rund 100 geschlechtsreifen Individuen besteht.

Ernährung

Der Amsterdamalbatros ist ein reiner Fleischfresser. Seine Nahrung besteht dabei zu 90 Prozent aus Fischen (Actinopterygii) und 10 Prozent aus Weichtieren (Mollusca) und aus Krebstieren (Crustacea) sowie aus Kopffüßern (Cephalopoda).
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Der Fang der Beutetiere erfolgt meist in unmittelbarer Nähe zur Wasseroberfläche. Aus geringer Höhe läßt sich der Amsterdamalbatros pfeilartig ins Wasser fallen. Unter Wasser dienen die Flügel als Vortriebsorgan. Eine andere Methode ist das Abtauchen von der Wasseroberfläche. Die durchschnittliche Tauchtiefe liegt bei etwa drei Meter. Der Amsterdamalbatros kann jedoch auch leicht eine Tauchtiefe von bis zu sieben Meter erreichen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Tage.

Fortpflanzung

Der Amsterdamalbatros erreicht die Geschlechtsreife erst sehr spät mit fünf bis sechs Jahren. Die Paarbindung erfolgt meist schon mit drei bis vier Jahren. Die Geschlechter leben in einer monogamen Einehe, die ein Leben lang hält. Außerhalb der Paarungszeit leben die Geschlechter allerdings getrennt voneinander auf dem Meer. Haben sich die Paare nach der langen Pause wieder vereinigt, so kommt es zur Balz. Die Balz fördert die dauerhafte Paarbindung und endet in der eigentlichen Kopulation. Der Amsterdamalbatros brütet nur alle zwei Jahre. Die Paarungs- sowie die Brutzeit beginnen im Februar. In der Regel wird das Ei von Ende Februar bis März gelegt und der Jugendliche ist dann im Januar/Februar des folgenden Jahres flügge. Das Nest wird meist auf sumpfigem Boden errichtet. Das Gelege besteht nur aus einem Ei. Jahr für Jahr kehrt der Amsterdamalbatros immer wieder zu seiner angestammten Brutkolonie zurück. Bis auf kleinere Streitigkeiten geht es in der Kolonie ausgesprochen friedlich zu. Um die Verteidigung des Geleges kümmern sich beide Elternteile. Das Wärmen des Eies nimmt zwischen 70 und 72 Tage in Anspruch und wird durch beide Geschlechter gewährleistet. Das Küken schlüpft mit bereits geöffneten Augen, ist ansonsten aber nur wenig weit entwickelt und vollständig von den Eltern abhängig. Die ersten Wochen bleibt immer ein Elternteil bei dem Küken und sorgt für Schutz, während der zweite Elternteil sich um die Nahrungsbeschaffung kümmert. Später gehen beide Elternteile gleichzeitig auf Nahrungssuche, da der Nahrungsbedarf ab dem zweiten und dritten Lebensmonat durch ein Elternteil nicht mehr zu decken ist. Die volle Flugfähigkeit wird im Alter von 110 bis 120 Tagen erreicht. Die sehr lange Nestlings- und Betreuungszeit erstreckt sich über gut vier, nicht selten sogar fünf Monate. Erst danach ist der Jungvogel selbständig und löst sich von den Eltern.

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Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Art vom Aussterben bedroht, weil sie eine extrem kleine Population hat und auf engstem Raum auf der Insel Amsterdam lebt. Obwohl in jüngster Zeit die Zahl zugenommen hat, so ist doch ein kontinuierlicher Rückgang aufgrund von Krankheiten und der hohen Sterblichkeitsrate der Küken projiziert. Die Art wird ebenfalls in ACAP Anhang 1 geführt. Alle Vögel sind beringt und werden jedes Jahr überwacht. Einige Vögel sind mit Satelliten-Sendern ausgestattet. Im Jahre 1987 wurde die Zahl der Rinder reduziert und ein Teil der Insel ist durch einen Zaun eingegrenzt. Im Jahre 1992 wurde ein zweiter Zaun errichtet, mit dem Ziel, einen vollständigen Schutz für das Hochplateau vor möglichen Übergriffen durch Rinder zu bieten. Im Jahre 2008 wurde von der Indian Ocean Tuna Commission ein Beschluß gefaßt, dass auf den Langleinen-Schiffen präventive Maßnahmen durchzuführen sind, um somit den Beifang von Seevögeln zu vermeiden. Ein nationaler Aktionsplan für die Art ist in Vorbereitung, der im Jahre 2011 beginnen soll. Ferner sind präventive Aktionen eingeleitet worden, um die Ausbreitung von Krankheiten zu stoppen. Weitere detaillierte Überwachungen der Population sind notwendig. Des Weiteren Überwachung der Beifänge mit Langleinen und die damit verbundenen Best Practice-Methoden aller Fischereien, auch über zwischenstaatliche Mechanismen unter der Schirmherrschaft des ACAP, FAO, CMS und Regional Fisheries Management Organisations wie CCAMLR.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)
  • Die Familie der Albatrosse (Diomedeidae)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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