Glasaugenbarsch

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Glasaugenbarsch

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Echte Barsche (Percoidei)
Familie: Echte Barsche (Percidae)
Gattung: Sander
Art: Glasaugenbarsch
Wissenschaftlicher Name
Sander vitreus
Mitchill, 1818

Der Glasaugenbarsch (Sander vitreus), auch als Amerikanischer Zander bekannt, zählt innerhalb der Familie der Echten Barsche (Percidae) zur Gattung Sander. Im Englischen wird der Glasaugenbarsch walleye genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße und Morphologie

Der Glasaugenbarsch ist ein großer länglicher Fisch mit einem fast zylindrischen Körper. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 75 bis 107 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 7 bis 11,3 Kilogramm. Beide Geschlechter sind kaum zu unterscheiden. Im Bereich des Kopfes und des Rückens reicht die Färbung von oliv bis gelblich-braun. Die Seiten sind etwas heller gefärbt. Die erste Rückenflosse weist einen dunklen Fleck im Bereich der hinteren Basis auf, sonst sind auf der Flossen-Membrane keine weiteren Flecken zu erkennen. Die zweite Rückenflosse weist dagegen Reihen von kleinen Flecken auf. Die Analflosse und die Beckenhöhlen-Flosse sind in der Regel klar. Die Unterseite des Kopfes ist weiß bis gelblich gezeichnet. Die Schnauze ist sehr groß ausgeprägt. Ferner besitzt der Glasaugenbarsch gut entwickelte und starke Eckzähne im Kiefer und auf der Gaumenplatte. Der hintere Kieferrand erstreckt sich bis unter die Rückseite des Auges und der Oberkiefer wirkt etwas hervorstehend. Der Oberkiefer und der Unterkieder sind an der Spitze leicht gebogen. 8 niedrigere Kiemenreusen, dorsale Stacheln insgesamt 13-17, dorsale Weichstrahlen (total) 18-22, anale Stacheln 2, anale Weichstrahlen 11-14, Rückenwirbel 44-48, Bruststrahlen 13-16, auf dem Laichkleid sind keine Tuberkel vorhanden, Branchiostegal-Strahlen 7,7 oder 7,8. Die Wangen sind dünn skaliert und die Kiemendeckel stark gesägt. Der Oberkiefer ist unterhalb der Mitte des Auges weit ausgedehnt. Die Schwanzflosse ist gegabelt und weit von der dorsalen Flosse getrennt. Die seitliche Linie ist vollständig und geradlinig.

Lebensweise

Im Frühjahr und im Herbst hält sich der Glasaugenbarsch in flachen Gewässern und in Buchten von großen Seen auf. Dort trifft man ihn häufig in felsigen Bereichen an. Im Sommer sucht er kühlere und tiefere Bereiche auf. Auch am Tage zieht er sich in tiefere Gewässer zurück. Bevorzugte Wassertemperaturen für den Glasaugenbarsch sind etwa durchschnittlich 23 Grad Celsius. Der Glasaugenbarsch ist ein gieriger Räuber, der sich vorwiegend von Fischen (Pisces) ernährt und am frühen Morgen und am Abend auf Nahrungssuche geht. In trüben Gewässern kann der Glasaugenbarsch auch den ganzen Tag über aktiv sein. Der Glasaugenbarsch scheut intensives Licht, so dass er am aktivsten in der Dämmerung und bei bewölktem Himmel ist. Der Glasaugenbarsch assoziiert oft mit dem Amerikanischen Flussbarsch (Perca flavescens), mit dem Schwarzbarsch (Micropterus dolomieu), mit dem Europäischen Hecht (Esox lucius) sowie mit der Muskellunge (Esox masquinongy). Der Glasaugenbarsch kann ein Alter von etwa acht bis zehn Jahren erreichen. Es wurde aber auch schon ein Alter von etwa 29 Jahren dokumentiert.

Unterarten

Verbreitung

Der Glasaugenbarsch ist in weiten Teilen von Nordamerika verbreitet. Ferner kommt er im Sankt-Lorenz-Strom, in der Arktis, im Mississippi und im Einzugsgebiet von Quebec bis zu den Nordwest-Territorien in Kanada sowie bis in den Süden von Alabama und Arkansas vor. Der Glasaugenbarsch wurde in den USA eingeführt, einschließlich Atlantik, Golf, Einzugsgebiet Pazifik. Selten findet man den Glasaugenbarsch im Brackwasser von Nordamerika. Der Glasaugenbarsch hält sich in Seen, in Schwimmbädern sowie im Brackwasser auf und wandert in mittlere und große Flüsse. Bevorzugt werden aber von dem Fisch große und flache Seen, die eine hohe Trübung aufweisen.

Ernährung

Der Glasaugenbarsch geht in der Nacht auf Nahrungssuche und ernährt sich vor allem von Insekten (Insecta) und von Fischen (Pisces), bevorzugt werden kleine Barsche (Percoidei), Forellen, Hechte (Esocidae), Gotteslachse (Lampris) und Aplodinotus grunniens. Wenn Insekten (Insecta) und Fische (Pisces) knapp werden, dann ernährt sich der Glasaugenbarsch von Krebstieren (Crustacea), Schnecken (Gastropoda), Lurchen (Amphibia), Olmen (Proteidae), Egeln (Hirudinea) und von kleinen Säugetieren (Mammalia). Die Jungfische ernähren sich überwiegend von Plankton und von aquatischen Insekten (Insecta).

Fortpflanzung

Männchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von zwei bis vier Jahren und die Weibchen im Alter von drei bis sechs Jahren. Der Glasaugenbarsch laicht in den Monaten von Februar bis April bei Wassertemperaturen von 8,9 bis 12,8 Grad Celsius. Die Laichplätze sind flache Seen oder überflutete Vegetationen mit reichlich Kiessubstrat. Das Laichen erfolgt in der Regel am Abend in kleinen Gruppen. Entweder leitet das Männchen oder das Weibchen den Laichvorgang ein, indem sie seitwärts gegen den Partner drückt. Der Druck ist kontinuierlich und ohne eine spezifische Treue zwischen den Partnern. Die kleine Gruppe steigt an die Oberfläche, wo sie Eier und Spermien gleichzeitig freigeben. Ein Weibchen kann all ihre Eier in der Laichzeit abgeben, dies sind etwa 612.000 Eier mit einer Länge von etwa 801 Millimeter und die Anzahl steigt jährlich mindestens bis zu einem Alter von zehn Jahren. Das Männchen kann über einen längeren Zeitraum laichen. Die klebrigen Eier sinken nach der Befruchtung zu Boden und heften sich mit der äußeren Membran am Boden fest. Die Fisch-Larven ernähren sich erst von kleinen Krebstieren, wenn sie ihren Dottersack vollständig aufgebraucht haben. Die larvalen Glasaugenbarsche verspeisen auch ihre Geschwister (Kannibalismus). Die Umstellung auf Fische und wirbellose Tiere tritt bei den Jungfischen erst mit einer Größe von 34 bis 80 Millimetern ein. Die Verdoppelung der Population beträgt zwischen 4,5 und 14 Jahren.

Ökologie

Obwohl der Glasaugenbarsch nicht in großem Umfang kommerziell für den Verbrauch gezüchtet wird, so werden doch in großer Zahl Glasaugenbarsche für die Fischindustrie in Zuchtfarmen aufgezogen. Der Glasaugenbarsch wird frisch oder gefroren im Handel angeboten und gebraten, gegrillt sowie in Mikrowelle gebacken, gegessen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
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