Amerikanischer Austernfischer

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Amerikanischer Austernfischer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Austernfischer (Haematopodidae)
Gattung: Austernfischer (Haematopus)
Art: Amerikanischer Austernfischer
Wissenschaftlicher Name
Haematopus palliatus
Temminck, 1820

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Amerikanische Austernfischer (Haematopus palliatus), der auch Braunmantel-Austernfischer genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Austernfischer (Haematopodidae) zur Gattung der Austernfischer (Haematopus). Im Englischen wird der Amerikanische Austernfischer American Oystercatcher oder Frazar's Oystercatcher genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Amerikanische Austernfischer erreicht eine Körperlänge von 43 bis 52 Zentimeter, eine Flügelspannweite von knapp 89 Zentimeter, eine Schnabellänge von 7,5 bis 10 Zentimeter. Der Schnabel ist rosarot gefärbt, die langen Beine weisen eine leicht fleischfarbene bis rosafarbene Färbung auf. Markant sind auch die gelblichen Augen, die von einem rötlichen Augenring umgeben sind. Der Kopf, der Hals und der obere Bereich der Brust sind schwarzbraun gefärbt. Der Rücken und die Flügel zeigen sich in einer dunkelbraunen Färbung. Die Bauchseite weist eine weißliche Färbung auf.

Unterarten

Verbreitung

Amerikanische Austernfischer sind entlang der Golfküste von Nord-, Mittel- und Südamerika sowie entlang der Küsten des Pazifiks und des Atlantiks in Südamerika verbreitet. Im Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis ins südliche Brasilien und Uruguay. Laut der Roten Liste der IUCN wird insbesondere Anguilla, Antigua und Barbuda, Argentinien, Aruba, Bahamas, Barbados, Belize, Brasilien, Kanada, Kaimaninseln, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Kuba, Dominica, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guadeloupe, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Montserrat, Niederländische Antillen, Panama, Peru, Puerto Rico, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Trinidad und Tobago, Turks- und Caicosinseln, Uruguay, Venezuela, Virgin Islands und die USA besiedelt. Amerikanische Austernfischer leben an sandigen und steinigen Küsten, sind aber auch im Watt oder auf Salzwiesen anzutreffen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Amerikanischen Austernfischer zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes), Möwen (Laridae) und Raben und Krähen (Corvus). Räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie Waschbären (Procyon), Hauskatzen (Felis catus) und Skunks (Mephitidae) haben es vor allem auf die Gelege und Küken abgesehen. Auch Westatlantische Reitkrabben (Ocypode quadrata) haben es nicht selten auf die Gelege abgesehen.

Ernährung

Zur bevorzugten Nahrung der Amerikanischen Austernfischer gehören neben Schalenweichtiere (Conchifera) wie Austern (Ostreidae) auch andere Muscheln (Bivalvia), Seesterne (Asteroidea), kleine Krebstiere (Crustacea), Seepocken (Balanidae), Nesseltiere (Cnidaria) und Schnecken (Gastropoda) wie beispielsweise Napfschnecken (Patellidae) und Käferschnecken (Polyplacophora). Die Beutetiere werden im Watt aus dem Schlamm erstochert oder im Flachwasser und zwischen Steinen erbeutet.

Fortpflanzung

Der Amerikanische Austernfischer erreicht die Geschlechtsreife zu Beginn des zweiten Lebensjahres. Zur ersten Brut kommt es jedoch erst im Alter von 3 bis 5 Jahren. In den Brutgebieten rund um den Golf von Mexiko erstreckt sich die Paarungszeit von Februar bis in den Juli hinein. Die Brutpaare leben monogam, ihre Ehe schließen sie meist für ein Leben lang. Gebrütet wird in kleineren Kolonien, wobei jedes Nest ein kleines Territorium umfasst. Die Nester, die in einer einfachen Erdmulde errichtet werden, bauen Amerikanische Austernfischer meist an geschützter Stelle in Klippen, zwischen Felsen oder gelegentlich auch in geschützten Dünen. Der Untergrund ist jedoch meist steinig. Als Auspolsterung dienen in der Regel Meerespflanzen wie Tang oder ähnliches. Das Weibchen legt 2 bis 4 (3) Eier, die im Abstand von gut einem Tag gelegt werden. Die Eier sind hellbraun gefärbt und weisen dunkle, meist bräunliche Sprenkel auf. Sie erreichen eine Länge von etwas 3,8 Zentimeter. Beide Elternvögel teilen sich das Brutgeschäft. Die Eier werden über einen Zeitraum von 27 bis 28 Tagen gewärmt. Die geschlüpften Jungvögel sind Nestflüchter und folgen kurz nach dem Schlupf den Eltern. Sie werden von beiden Elternteilen mit Nahrung versorgt bzw. an die Nahrung heran geführt. Die Betreuungszeit dürfte bei 2 Monaten liegen, die Flugfähigkeit wird jedoch schon im alter von 35 Tagen erreicht. Rund 6 Wochen nach Erreichen der Flugfähigkeit sind die Jungvögel in der Lage mit ihren Schnäbeln selbst Muscheln zu knacken. Austernfischer erreichen in Freiheit ein Alter von gut 10 oder mehr Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Amerikanische Austernfischer zählen heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet erstreckt sich über rund 860.000 km², die Bestände der Vögel werden auf bis zu 110.000 Individuen geschätzt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In der Vergangenheit stellte man den Vögeln wegen des Fleisches und der Federn nach. Heute gehören die allgemeine Umwelt- und Wasserverschmutzung zu den größten Gefahren.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasser der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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