Amerikanische Sumpfschildkröte

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Amerikanische Sumpfschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Unterfamilie: Emydinae
Gattung: Amerikanische Sumpfschildkröten (Emydoidea)
Art: Amerikanische Sumpfschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Emydoidea blandingii
Holbrook, 1838

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Amerikanische Sumpfschildkröte (Emydoidea blandingii) zählt innerhalb der Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) zur Gattung der Amerikanischen Sumpfschildkröten (Emydoidea). Im Englischen wird diese Schildkröte Blanding's turtle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Amerikanische Sumpfschildkröte erreicht je nach Geschlecht eine Carapax-Länge von 13 bis 20 Zentimeter. Rekordlängen von bis zu 25 Zentimeter sind selten, sind aber bereits dokumentiert. Weibchen bleiben ein wenig kleiner als Männchen. Dieses ist bei Schildkröten nur selten der Fall. Der Carapax weist eine nicht sehr starke Wölbung auf. Die Oberfläche ist ausgesprochen glatt und ein Kiel ist dorsal nicht vorhanden. Auf den Ventebral- und Pleuralschilden sind gut sichtbare Wachstumsringe zu erkennen. Die Färbung des Carapax ist je nach Verbreitungsgebiet und Population unterschiedlich. Die Färbung reicht von dunkelbraun, über schwarzbraun bis hin zu schwarz. Eine helle Fleckung des Carapax ist nicht üblich, aber durchaus nicht selten. In der Regel weisen diese Flecken eine weißliche, gelbliche oder gelblichbraune Färbung auf. Der Plastron ist gelblich gefärbt. Hier zeigen sich uneinheitliche dunkle, meist schwarze Muster. Beim Männchen ist der Plastron konkav geformt, beim Weibchen ist der Plastron flach. Dies ist bei allen Schildkröten der Fall. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die dickere Schwanzwurzel der Männchen. Die Extremitäten und die Oberseite des flachen Kopfes weisen die gleiche Färbung wie der Carapax auf. Die Füße an den Vorder- und Hinterbeinen enden jeweils in Zehen, die mit kräftigen Krallen versehen sind. Die Unterseite des Kopfes und der Hals sind in der Regel gelblich gefärbt. Juvenile Amerikanische Sumpfschildkröten sind gräulich, bräunlich oder schwarz gefärbt. Der Plastron ist nur an den Rändern gelblich, ansonsten ist er schwarz gefärbt. Sie weisen eine Schlupflänge von etwa 35 Millimeter auf. Auf den Schilden zeigen sich bei den juvenilen Schildkröten jeweils ein gelber Punkt.

Amerikanische Sumpfschildkröte
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Amerikanische Sumpfschildkröte

Lebensweise

Die saisonale und tägliche Aktivität der Amerikanische Sumpfschildkröte richtet sich nach dem Verbreitungsgebiet, dem Lebensraum und den klimatischen Bedingungen. Während der kalten Jahreszeit halten Amerikanische Sumpfschildkröten eine mehrmonatige Winterruhe. Sie erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet von Oktober bis April. In nördlichen Regionen dauert die Winterruhe für gewöhnlich einige Wochen länger. Im Hochsommer geht die Hauptaktivität auf die Dämmerung oder die Nacht über. In den frühen Morgenstunden kann man die Amerikanische Sumpfschildkröten oft an exponierten Stellen beim Sonnenbaden beobachten. Als poikilotherme (wechselwarme) Tiere können sie ihre Körpertemperatur nicht selbständig halten und benötigen daher Sonnenwärme. Amerikanische Sumpfschildkröten sind recht standorttreu. Sie unternehmen allenfalls Wanderungen von wenigen Hundert Metern.

Verbreitung

Amerikanische Sumpfschildkröten sind im Nordosten Nordamerikas weit verbreitet. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet im südöstlichen Kanada von Quebec bis in den Süden vom Ontario. In den USA kommen die Tiere in den nordöstlichen Bundesstaaten vor. Südlich reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Illinois. Zu den bevorzugten Lebensräumen zählen waldreiche Regionen mit Seen, Teiche, Bäche und Flüsse. Langsam fließendes Wasser und eine ausreichende Ufervegetation sowie ein schlammiger Untergrund werden dabei bevorzugt. Ins Wasser reichende Äste oder aus dem Wasser ragende Steine dienen den Schildkröten als Ruhepunkte und zum Sonnenbaden.

Amerikanische Sumpfschildkröte
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Amerikanische Sumpfschildkröte

Prädatoren

Amerikanische Sumpfschildkröten stehen auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Adulte und juvenile Schildkröten werden insbesondere von Nordamerikanischen Waschbären (Procyon lotor), Graufüchsen (Urocyon cinereoargenteus), Rotfüchsen (Vulpes vulpes) und Streifenskunks (Mephitis mephitis) gefressen. Waschbären und Streifenskunks haben es dabei vor allem auf die Eier abgesehen. Nicht selten fallen 75 Prozent aller Eier Fleischfressern zum Opfer. Jungtiere werden zusätzlich auch von Raubfischen, Amerikanischen Ochsenfröschen (Rana catesbeiana) und einigen Schlangen (Serpentes) gefressen.

Ernährung

Die Amerikanische Sumpfschildkröte ist ein opportunistischer Nahrungsgeneralist. Sie ist ein Allesfresser und ernährt sich sowohl von tierischer als auch von pflanzlicher Nahrung. Der Anteil an pflanzlicher Nahrung ist jedoch eher gering. Zur tierischen Nahrung gehören beispielsweise die Larven von Wasserinsekten (Insecta) sowie Krebstiere (Crustacea). Aber auch Blutegel (Hirudinea), Schnecken (Gastropoda) und Amphibien (Amphibia) sowie deren Eier und Larven stehen weit oben auf der Speisekarte. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht. An pflanzlicher Kost werden verschiedene Grünpflanzen gefressen. Jungtiere ernähren sich in der ersten Zeit ausschließlich von tierischer Kost. Erst sehr viel später nehmen sie auch pflanzliche Kost zu sich.

Fortpflanzung

Junge Amerikanische Sumpfschildkröte
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Junge Amerikanische Sumpfschildkröte

Die Geschlechtsreife erreicht die Amerikanische Sumpfschildkröte mit 15 bis 20 Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich im Nordosten Amerikas für gewöhnlich vom späten Frühjahr bis in den Sommer hinein, meist von April bis Juni. Nicht selten kommt es während dieser Zeit zu zwei Gelegen. Weibchen legen in der Regel jedes Jahr Eier. Die Balz und die eigentliche Kopulation findet im Wasser statt. Das Weibchen gräbt kurz unmittelbar vor der Ablage der Eier im lockeren Sand eine bis zu 15 Zentimeter tiefe Grube. Zum Graben nutzt das Weibchen die hinteren Beine. Nach erfolgreicher Ablage der Eier wird die Grube sorgsam verschlossen. Der ausgewählte Platz befindet sich in einer Entfernung von einigen Dutzend Metern vom Ufer entfernt. Der Platz ist sonnig und vor Überschwemmungen sicher. Eine Überschwemmung hätte eine Fäule und das Absterben der Embryos in den Eiern zur Folge. Je nach Alter und Ernährungszustand legt das Weibchen zwischen 6 und 20 Eier. Ein durchschnittliches Gelege besteht aus etwa 7 bis 12 Eiern. Ein Ei weist eine Länge von etwa bis 36 Millimeter, eine Breite von 25 Millimeter auf. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. In Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungtiere nach durchschnittlich 60 bis 75 Tagen. Die Schlüpflinge weisen eine Carapaxlänge von etwa 35 Millimeter auf. Unter günstigen Umständen liegt die Lebenserwartung der Amerikanischen Sumpfschildkröte bei 50 bis 60 Jahren. In Gefangenschaft ist eine Lebenserwartung von über 70 Jahren möglich.

Gefährdung und Schutz

Die Amerikanische Sumpfschildkröte gilt heute als noch nicht bedroht. Sie wird in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Jedoch sinken seit Jahrzehnten die Bestände stetig. Die Hauptgründe für die Gefährdung sind hauptsächlich in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume zu suchen. Vor allem die Trockenlegung von Sumpfgebieten und die Bebauung von Flussufern sowie die Zersiedelung stellen große Gefahren dar. Aber auch die intensiv betriebene Landwirtschaft mit der einhergehenden Ausbringung von Pestiziden schaden den Populationen nachhaltig. Gifte werden dabei vor allem über die Nahrung aufgenommen und schädigen das Erbgut nachhaltig. Der Schwund in den Populationen durch natürliche Fleischfresser spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. In Gewässern, wo Fischfang betrieben wird, verfangen sich nicht selten Schildkröten in den Fischernetzen. Hierbei ertrinken die Tiere qualvoll. Die Bejagung durch den Menschen spielt heute keine Rolle mehr, da jegliche Bejagung verboten wurde und auch der Wildfang für den Haustierhandel untersagt ist.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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