Ryukyu-Kaninchen

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Ryukyu-Kaninchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Palaeolaginae
Gattung: Pentalagus
Art: Ryukyu-Kaninchen
Wissenschaftlicher Name
Pentalagus furnessi
(Stone, 1900)

Verbreitungsgebiet

IUCN-Status
Endangered (EN)

Das Ryukyu-Kaninchen (Pentalagus furnessi) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung Pentalagus. Im Englischen wird die Art Amami Rabbit oder Ryukyu Rabbit genannt. Ein weiteres deutsches Synonym ist Amami-Kaninchen. In der Gattung Pentalagus ist das Ryukyu-Kaninchen die einzige Art.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde der Ryukyu-Kaninchen stammen aus dem späten Pleistozän und wurden auf Tokuno-Shima Island gefunden. Bei den Fossilien handelt es sich jedoch lediglich um Zähne. Der unmittelbare Vorfahre des Ryukyu-Kaninchens ist Pliopentalagus. Die Vertreter dieser Gattung waren vom Miozän bis ins Pliozän in weiten Teilen von Asien und Europa verbreitet (Yamada & Cervantes, 2005).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Ryukyu-Kaninchen sind mittelgroße Kaninchen. Die Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 430 bis 470 (451) mm, eine Schwanzlänge von 20 bis 35 (27) mm, eine Ohrlänge von 40 bis 50 (44) mm, eine Hinterfußlänge von 80 bis 92 (86) mm sowie ein Gewicht von 2.030 bis 2.675 (2.226) Gramm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 397 bis 530 (452) mm, eine Schwanzlänge von 25 bis 33 (30) mm, eine Ohrlänge von 41 bis 49 (45) mm, eine Hinterfußlänge von 83 bis 92 (89) mm sowie ein Gewicht von 2.000 bis 2.880 (2.477) Gramm. Der Schädel beider Geschlechter erreicht eine Länge von 76,1 bis 85,4 (82,0) mm, eine Jochbeinbreite von 38,0 bis 42,2 (40,4) mm, eine Rostrumlänge von 13,0 bis 15,4 (13,9) mm, eine Hirnschädelbreite von 28,4 bis 30,5 (29,5) mm und eine Unterkieferlänge von 53,0 bis 65,7 (60,7) mm. Das dichte und wollige Fell ist dorsal dunkelbraun gefärbt, lateral geht die Färbung in eine rötlichbraune Färbung über. Ventral ist das Fell hell rotbraun gefärbt. Das Fell besteht aus einer dichten Unterwolle und gröberen Deckhaaren. Der Schwanz und auch die Ohren sind relativ kurz, die Augen sind klein. Die Zehen der Füße enden in Zehen, die mit kräftigen Krallen bewehrt sind. Die Krallen erreichen eine Länge von 10 bis 20 mm. Der Schädel ist flach und breit, das Rostrum ist kurz und ebenfalls relativ breit. Das Gebiss besteht aus 26 bis 28 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m2-3/3. Ryukyu-Kaninchen verfügen über 40 bis 41 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 12 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 7 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 4 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 10 bis 11 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern (Yamada & Cervantes, 2005).

Lebensweise

Während der Ruhephasen halten sich Ryukyu-Kaninchen in selbst gegrabenen Erdbauten auf. Die Gänge zu den Höhlen verlaufen schräg nach unten oder horizontal. Sie sind 10 bis 20 Zentimeter hoch, etwa 12 bis 25 Zentimeter breit und erreichen eine Länge von 30 bis 200 Zentimeter. Die Nistkammer weist einen Durchmesser von rund 20 bis 30 Zentimeter auf und ist mit weichen Pflanzenteilen wie Blättern ausgepolstert. Ryukyu-Kaninchen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie verlassen die Erdbauten ab 17h und kehren gegen Morgengrauen von der Nahrungssuche zurück. Ryukyu-Kaninchen sind zwar nur wenig territorial, sie beanspruchen in Abhängigkeit vom Geschlecht ein Revier in einer Größe von 1,0 bis 1,3 Hektar. Die Reviere der Männchen überlappen sich mit den Revieren der Weibchen. Während der Nahrungssuche bewegen sich Ryukyu-Kaninchen meist zwischen 100 und 200 Meter von ihrem Bau weg (Yamada & Cervantes, 2005).

Verbreitung

Ryukyu-Kaninchen sind auf den Ryūkyū-Inseln endemisch. Die Ryūkyū-Inseln gehören zum japanischen Territorium und umfassen 98 kleinere und größere Inseln. Von den Ryukyu-Kaninchen wird jedoch nur ein kleiner Teil der Inseln besiedelt. Dies sind im Wesentlichen die Inseln Amami-Oshima und Tokuno-Shima. Das Verbreitungsgebiet wird auf etwa 960 km² geschätzt. Je nach Vorkommen sind die Tiere von Meereshöhen bis in Höhen von gut 694 Meter über NN. anzutreffen. Ryukyu-Kaninchen besiedeln subtropische Wälder in der Ebene und in Mittelgebirgslagen. Die Tiere sind jedoch auch an Waldrändern und im Bereich der Küstenstreifen anzutreffen (Yamada & Cervantes, 2005; Sugimura et al., 2000).

Biozönose

Prädator: Kleiner Mungo (Herpestes javanicus)
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Prädator: Kleiner Mungo (Herpestes javanicus)

Prädatoren

Ryukyu-Kaninchen haben auf den Inseln nur wenige natürliche Feinde wie die Bambusottern (Trimeresurus) Trimeresurus flavoviridis. Die durch Schlangen verursachte Mortalität hat sich jedoch nie bedrohend auf die Bestände der Kaninchen ausgewirkt. Erst mit der Einfuhr von Neozoa wie verwilderte Hauskatzen (Felis catus) und Haushunde sowie Kleine Mungos (Herpestes javanicus) wurde es für die Ryukyu-Kaninchen zusehens ungemütlich. Binnen weniger Jahrzehnte sanken die Bestände der Kaninchen bedrohlich (Yamada & Cervantes, 2005).

Parasiten

In der Feldforschung konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Hier sind nach Yamada und Cervantes (2005) insbesondere Milben (Acari, Acarida) wie Acomatacarus yosanoi, Ascoshcoengastia ctenacarus, Ascoshcoengastia noborui, Cordiseta nakayamai, Eltonella ichikawai, Gahrliepia saduski, Leptotrombidium kawamurai, Leptotrombidium kuroshio, Leptotrombidium scutellare, Miyatrombicula okadai und Walchia pentalagi zu nennen. An Zecken (Ixodida), die ebenfalls zu den Milben gehören, konnten Amblyomma testudinarium, Dermacenter taiwanensis, Haemaphysalis formosensis, Haemaphysalis hystricis, Haemaphysalis pentalagi und Haemaphysalis pentalagi nachgewiesen werden. Des weiteren sind Ryukyu-Kaninchen die Wirte für verschiedene Fadenwürmer (Nematoda) im Magen, Dünndarm und Blinddarm sowie einige Arten an Bandwürmern (Cestoda), Saugwürmern (Trematoda) und Rädertierchen (Rotatoria). Diese Parasiten wurden im Kot gefunden (Yamada & Cervantes, 2005).

Ernährung

Ryukyu-Kaninchen ernähren sich rein pflanzlich von etwa 29 verschiedenen Futterpflanzen. Die Pflanzen können insbesondere Korbblütlern (Asteraceae), Seggen (Carex), Chinaschilf (Miscanthus sinensis), Haarstrang (Peucedanum), Scheinkastanien (Castanopsis), verschiedene Schwarzmundgewächse (Melastomataceae), Rosengewächse (Rosaceae), Rautengewächse (Rutaceae) und Storaxbäume (Styrax). Der Kot der Ryukyu-Kaninchen weist eine Länge von 7,5 bis 14,5 mm und einen Durchmesser von 11 mm auf (Yamada & Cervantes, 2005).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Lebensräumen meist von Ende März bis in den Dezember hinein. Die Geburt erfolgt im Nest der Wohnhöhle des Weibchen. Die Nisthöhle weist einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimeter aus und ist mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Ein Wurf besteht aus 2 bis 3 Jungtieren, wobei es mehrmals im Jahr zu einem Wurf kommen kann. Ein Jungtier weist bei der Geburt ein Gewicht von bis zu 100 Gramm auf. Die Augen und Ohren sind bei der Geburt geschlossen, das spärliche Fell zeigt eine bräunliche Färbung. Zum Säugen des Nachwuchses verfügt ein Weibchen über 3 Paar Zizen. Die Säugezeit erstreckt sich über 28 bis 48 Tage. Im Alter von 3 bis 4 Monaten weisen Jungtiere eine Gesamtlänge von 25 bis 35 Zentimeter auf. Zu diesem Zeitpunkt wird die Selbständigkeit erreicht (Yamada & Cervantes, 2005).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Ryukyu-Kaninchen gehören heute zu den stark bedrohten Hasen (Leporidae). In der Roten Liste der IUCN wird die Art als stark gefährdet (EN, Endangered) geführt. Die Hauptbedrohung geht hauptsächlich von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Alleine in den letzten 3 Jahrzehnten wurden lokal 70 bis 90% der Wälder zugunsten von Siedlungsraum oder landwirtschaftlichen Flächen abgeholzt. Ein weiteres Problem stellen eingeschleppte Raubtiere dar, die den Kaninchen massiv nachstellen (Suzuki, 1985; Yamada & Cervantes, 2005; Sugimura et al., 2000).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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