Alpensalamander

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Alpensalamander

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)
Familie: Echte Salamander (Salamandridae)
Gattung: Eigentliche Salamander (Salamandra)
Art: Alpensalamander
Wissenschaftlicher Name
Salamandra atra
Laurenti, 1768

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Alpensalamander (Salamandra atra) zählt innerhalb der Familie der Echten Salamander (Salamandridae) zur Gattung der Eigentlichen Salamander (Salamandra). Im Englischen wird der Alpensalamander Alpine Salamander oder Golden Salamander genannt.

Im Jahre 1982 wurde in einem kleinen Gebiet Italiens (Provinz Vicenza) eine Population entdeckt, die großflächige gelbe bis schmutzig weiße Längsflecken auf Rücken und Kopf hat. Sie wird vorläufig als Unterart Salamandra atra aurorae angesehen, verdient aber eventuell sogar den Artstatus. Im Jahre 1988 wurde in den italienischen Alpen südwestlich von Turin eine weitere, vollkommen schwarze Salamanderart als Salamandra lanzai mittels biochemischer Analysen beschrieben, die sofort Artstatus erhielt. Auffällig ist ihre Körperlänge (reichlich 16 Zentimeter) und das knopfartige Schwanzende.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Nahe verwandt mit dem eher bekannten Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist der Alpensalamander. Er ist vollständig schwarz gefärbt und trägt keinerlei Körperzeichnung. Ausnahmsweise werden auch schwarze Feuersalamander (Salamandra salamandra) gefunden, die dann oft als Alpensalamander bestimmt werden, jedoch unterscheiden sich beide Arten deutlich. Die "Schwärzlinge" des Feuersalamander (Salamandra salamandra) besitzen stets geringe Gelbanteile. Der Alpensalamander erreicht eine Körperlänge von 10 bis 13 Zentimeter, höchstens 16 Zentimeter und bleibt wesentlicher schlanker und kleiner als der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Kräftige Querfurchungen an den Rumpfseiten und Schwanzseiten lassen
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ihn immer abgemagert erscheinen, dies wird durch die schwarze Färbung noch unterstrichen. Deutlich sichtbar sind auch bei ihm die Drüsen an den Seiten des Hinterkopfes und des Rumpfes. Der Schwanz ist rund. Der Kopf ist flacher als der des Feuersalamander (Salamandra salamandra), jedoch ebenfalls mit deutlichen Parotoiddrüsen (Ohrdrüsen).

Lebensweise

Stellenweise ist der Alpensalamander recht häufig anzutreffen, doch bleibt er wegen seiner heimlichen Lebensweise oft unentdeckt. Seine Lebens- und Fortpflanzungsweise ist völlig unabhängig von Still- oder Fließgewässervorkommen. Als Bewohner der alpinen Regionen muß sich der Alpensalamander aber mit der kurzen Vegetationsperiode arrangieren. Im Allgemeinen ist er erst bei Temperaturen oberhalb von 4 Grad Celsius aktiv, genau wie der Feuersalamander (Salamandra salamandra) hauptsächlich in der Nacht. Tagsüber versteckt er sich in kühlfeuchten Nischen unter hohlliegenden Steinplatten in Felsspalten oder Kleinsäugerbauen. Ein Bergwanderer, der bei schönem Wetter unterwegs ist, wird wohl kaum einen Alpensalamander beobachten können. Bei feuchter, nebliger Witterung hingegen, insbesondere nach langen Trockenperioden, kann er den Alpensalamander auch tagsüber antreffen. Die Tiere gehen dann teilweise massenhaft am Wegesrand auf Beutefang. Von Oktober bis März etwa legt der Alpensalamander eine Winterruhe ein. Im höheren Bergland aber kann sie sogar noch länger dauern. Besonders abhängig ist der Alpensalamander von niedrigen Temperaturen, denn wie bei seiner Verwandtschaft schaden ihm längere Wärmeperioden eher als Kälteeinbrüche. Aus diesem Grund ist er außerhalb der sich nachts stark abkühlenden Gebirgszüge nicht oder nur selten anzutreffen.

Unterarten

Verbreitung

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Alpensalamander

Wie sein Name schon andeutet, kommt der Alpensalamander ausschließlich in den Gebirgsregionen vor. Sein Verbreitungsgebiet ist auf die Alpen beschränkt und erstreckt sich bis in die Gebirge von Slowenien und Albanien. Die Lebensräume des Alpensalamander sind Täler und buschbestandene Hänge der Bergregionen. Er siedelt dort in feuchten Waldgebieten, in der Krummholzzone sowie auf feuchten Matten, auf feuchten Schotterfeldern und in moorigen Terrains, aber auch oberhalb der Waldgrenze. Seine Verbreitung erstreckt sich über Höhenlagen zwischen 800 und 2.500 Metern NN. In besonders kühlen Hanglagen steigt er auch bis 500 Meter hinab. Der Alpensalamander ist nicht an Gewässer gebunden wie der Feuersalamander (Salamandra salamandra).

Ernährung

Als Nahrung werden Nacktschnecken, Regenwürmer (Lumbricidae), dazu Spinnentiere (Arachnida), bodenlebende Insekten (Insecta) und ihre Larven aufgenommen. Erstaunlich ist die Beweglichkeit des Alpensalamander, die ihm auch bei der Nahrungssuche nützlich ist. Ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra) eher träge und langsam, kann der Alpensalamander durchaus schnell laufen und sich den Blicken seines Verfolgers entziehen. Dabei erhebt er seinen Körper vom Erdboden und läuft hochbeinig davon.

Prädatoren

Die natürlichen Feinde des Alpensalamander sind nicht sehr zahlreich. Dazu zählen unter anderem die Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), die Elster (Pica pica) und die Alpenspitzmaus (Sorex alpinus). Denn durch seine versteckte Lebensweise macht der Alpensalamander kaum auf sich aufmerksam. Zudem hält sein Hautsekret viele Tiere davon ab, ihn zu fressen. Selbst die Kreuzotter (Vipera berus) scheint ihn deshalb zu meiden.

Fortpflanzung

Der Alpensalamander ist als spezialisierte Gebirgsart anzusehen. Die kurzen Schönwetterperioden und starken Temperaturschwankungen haben es ihm in den höheren Zonen unmöglich gemacht, einfach seine Larven in Gewässer abzusetzen, wie es der im Flachland lebende Feuersalamander (Salamandra salamandra) tut. Die stehenden Gewässer trocknen in den Gebirgen schnell aus und sind sehr kalt.
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Die kleinen Gebirgsbäche werden innerhalb weniger Minuten zu reißenden Flüssen, die seine Nachkommen stark reduzieren. Wegen dieser harten Lebensbedingungen ist der Alpensalamander im Laufe der Zeit vom Wasser unabhängig geworden und gebärt zwei völlig entwickelte Jungtiere. Ähnlich wie bei den Feuersalamander (Salamandra salamandra) paaren sich die Alpensalamander an Land, und zwar je nach Höhenlage in der Zeit zwischen Mai und Ende Juli. Die Samen des Männchens werden in einer Samentasche des Weibchens (Receptaculum seminis) aufbewahrt und können auch noch später heranreifende Eier befruchtet werden. In den paarigen Ovarien der Weibchen entwickeln sich zahlreiche Eier, von denen jedoch nur jeweils ein Ei pro Eileiterstrang befruchtungsfähig ist.

Nach der Befruchtung der Eizelle verbraucht der heranwachsende Embryo zuerst den eigenen Dottervorrat, danach dient die zusammenfließende Dottermasse der anderen (befruchtungsunfähigen) Eier als Nährstoffreservoir. In einer weiteren Phase der Embryonalentwicklung produziert dann sogar die Gebärmutterwand des Muttertieres bestimmte Zellen, die der Embryo als Nahrung aufnimmt. Nach der langen Entwicklungszeit von zwei bis drei Jahren kommen zwei fertig entwickelte Jungtiere, etwa 4 bis 5 Zentimeter lang, zur Welt und sind sofort voll lebensfähig. Dass die Vorfahren des Alpensalamander diese Art der Fortpflanzung noch nicht hatten, erkennt man an den ausgebildeten Büschelkiemen, die die Larven im Mutterleib aufweisen und die einen Hinweis auf die gleiche ursprüngliche Fortpflanzungsart geben, wie sie der Feuersalamander (Salamandra salamandra) heute noch hat. Allerdings kann auch diese Art in höheren Regionen in sehr ungünstigen Zeiten fertig entwickelte Jungtiere absetzen. Die Viviparie, d. h. das Lebendgebären von vollentwickelten, bereits lungenatmenden Jungsalamandern, kann als besondere Form der Brutfürsorge im rauhen Klime der Gebirge angesehen werden. Als Preis für die Sicherheit der Entwicklung der Larven im Mutterleib muß eine längere Entwicklungsdauer sowie die geringe Anzahl von Nachkommen in Kauf genommen werden. Der volle Erfolg dieser Strategie zeigt sich jedoch nicht nur in der Häufigkeit der Alpensalamander, sondern auch in der Tatsache, dass diese Art von allen Lurchen im Gebirge in größter Höhe vorkommt.

Gefährdung und Schutz

Da seine alpinen Lebensräume meist in größere Landschafts- und Naturschutzgebiete eingebunden sind, ist er weniger durch Umweltveränderungen bedroht. Trotz der geringen Reproduktionsrate scheint sein Fortbestand gesicherter zu sein als der des Feuersalamander (Salamandra salamandra). Da der Alpensalamander recht niedrige Temperaturen benötigt, seine Verbreitung bestätigt dies, ist von einer Terrarienhaltung grundsätzlich abzuraten. Der Schutzstatus (vollständiger Schutz, d. h. strengste Stufe, die es gibt) verbietet ohnehin eine Entnahme aus der Natur, woran der Terrarianer sich unbedingt halten sollte. Selbst kurzzeitige Erwärmungen können die empfindliche Art töten. In der Roten Liste der IUCN wird der Alpensalamander als nicht gefährdet (least concern) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Claus-Peter Hutter: Schützt die Reptilien. Das Standardwerk zum Schutz der Schlangen, Eidechsen und anderer Reptilien. Weitbrecht-Verlag in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart und Wien, 1994 ISBN 3522304608
  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag

Links

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