Algerische Hausmaus

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Algerische Hausmaus
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)
Gattung: Mäuse (Mus)
Art: Algerische Hausmaus
Wissenschaftlicher Name
Mus spretus
Lataste, 1883

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Algerische Hausmaus (Mus spretus) zählt innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) zur Gattung der Mäuse (Mus) und hier zur Untergattung Mus. Im Englischen wird die Algerische Hausmaus Algerian Mouse oder Western Mediterranean Mouse genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt (Palomo, Justo & Vargas, 2008).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die Art entstand nach einhelliger Meinung im mittleren Pleistozän durch Abspaltung von europäischen Mäusen. Dies belegen morphologische Analysen und die mitochondriale DNA. Die ältesten fossilen Funde stammen aus Marokko und Algerien. Die Funde weisen somit ein Alter zwischen 10.000 und 40.000 Jahre auf (Palomo, Justo & Vargas, 2008).

Erkennung und Unterschiede

Die Algerische Hausmaus ist eine kleine Maus mit deutlich abgerundeter Schnauze, kleinen Augen und Ohren. Das ventrale Fell ist weißlich bis leicht cremefarben gefärbt, dorsal zeigt sich eine schiefergraue bis orangebraune Färbung. In fast allen Bereichen kommt die Algerische Hausmaus sympatrisch mit der Hausmaus (Mus musculus) vor. Von dieser Art unterscheidet sich die Algerische Hausmaus durch die kürzere Schwanzlänge (kürzer als die Körperlänge) sowie anatomische Schädelabmessungen im Bereich des Jochbogens und des Oberkiefers (Palomo, Justo & Vargas, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Algerische Hausmaus erreicht eine Körperlänge von 79,0 bis 93,0 (85,8) mm, eine Schwanzlänge von 59,0 bis 73,0 (65,34), eine Hinterfußlänge von 15,0 bis 21,0 (16,44) mm, eine condylobasale Länge von 19,1 bis 21,9 (20,2), eine Schädelhöhe von 6,4 bis 7,1 (6,74) mm sowie ein Gewicht von 15,0 bis 19,0 (16,44) g. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3. Das Fell (Fellfärbung siehe oben) besteht aus einer Unterwolle und oben aufliegenden gröberen Deckhaaren. Die Unterwolle ist relativ kurz. Bei Jungtieren stellt sich das erste Fell im Alter von 17 bis 21 Tagen ein. Im Alter von 38 bis 52 und 64 bis 81 Tage kommt es zu den beiden ersten Fellwechseln. Das dritte Fell entspricht dem adulten Fell (Palomo, Justo & Vargas, 2008).

Lebensweise

Algerische Hausmäuse sind meist nachtaktiv, nur im Winter treten die Tiere auch am Tage in Erscheinung. Die höchste Aktivität entfaltet die Art im Frühjahr, Sommer und Herbst. Während dieser Zeit beginnt die Aktivität mit beginnender Dämmerung und erstreckt sich bis in die Morgendämmerung. Die Gesamtlänge der täglichen Aktivität korreliert mit der Länge der Nacht in Verbindung mit der Jahreszeit (Palomo, Justo & Vargas, 2008). Die algerische Hausmaus lebt in kleinen, jedoch losen Kolonien. Dies belegt die Tatsache, dass die Geschlechter in der Feldforschung häufig am gleichen Ort gefangen wurden. Eine gewisse Territorialität lässt sich vor allem bei den Männchen feststellen. Aggressivität gegenüber Artgenossen konnte jedoch nicht festgestellt werden. Nur stillende Weibchen sind gegenüber Artgenossen aggressiv. Der Kommunikation untereinander dient insbesondere der gut entwickelte Geruchssinn. Die Reviere eines Männchen überlappen sich meist mit mehreren Revieren von Weibchen. Die Größe eines Reviers liegt bei Männchen bei durchschnittlich 340 m². Der Kernbereich ist jedoch deutlich kleiner. Pro Tag bewegen sich die Tiere in Abhängigkeit vom Lebensraum zwischen 27 und 112 m fort. Dies haben Messungen mittels Radiotelemetrie ergeben (Palomo, Justo & Vargas, 2008).

Unterarten

Die Einteilung in Unterarten gilt als umstritten.

Verbreitung und Lebensraum

Algerische Hausmäuse treten hauptsächlich im nördlichen Afrika, insbesondere in Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien, in Erscheinung. In Europa ist die Art auch in Portugal im südlichen Frankreich und auf den Balearen (Spanien) verbreitet. Algerische Hausmäuse leben von Meereshöhe bis in Höhen von gut 1.800 m über NN. Besiedelt werden Wiesen, trockenes Buschland, landwirtschaftliche Flächen und offene Wälder. Dichte Wälder und die Nähe zum Menschen werden strikt gemieden (Palomo, Justo & Vargas, 2008; IUCN, 2013).

Biozönose

Die Algerische Hausmaus stellt einen wichtigen Teil in der Ernärung von zahlreichen Raubtieren dar. Zu den natürlichen Feinden zählt insbesondere die Schleiereule (Tyto alba). An Ektoparasiten konnten verschiedene Flöhe (Siphonaptera), Tierläuse (Anoplura) und Milben (Acari, Acarida) nachgewiesen werden. Dokumentierte Endoparasiten zählen zu den Fadenwürmern (Nematoda) und Bandwürmern (Cestoda) (Palomo, Justo & Vargas, 2008).

Ernährung

Die Algerische Hausmaus ernährt sich im Wesentlichen von Grassamen kultivierter oder unkultivierter Pflanzen. Hinzu kommen gelegentlich Früchte und Insekten in Form von Larven. Dies belegen Analysen des Mageninhalts. Auf landwirtschaftlichen Flächen gilt die Art als Ernteschädling. Der Tagesdurchschnittsverbrauch an Nahrung liegt bei etwa 1,35 g Trockensubstanz pro Stunde. Tinkwasser nehmen die Tiere hauptsächlich über die Nahrung zu sich (Palomo, Justo & Vargas, 2008).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Algerische Hausmäuse bereits im Alter von 6 bis 8 Wochen. Algerische Hausmäuse führen eine polygame Lebensweise. Sie leben in kleinen Kolonien, die von einem oder mehreren Männchen dominiert werden. Ein Männchen begattet in seinem Revier meist mehrere Weibchen und hat mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Die Paarungszeit beschränkt sich auf die warme Jahreszeit. Nach einer Tragezeit von etwa 19 bis 20 Tagen bringt ein Weibchen zwischen durchschnittlich 5 und 8 Jungtiere zur Welt. Um die Versorgung des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Muttertier. Die Jungtiere sind bei der Geburt noch zahnlos, nackt und blind, ihre Haut ist rosafarben. Das erste Fell beginnt im Alter von 2 bis 4 Tagen zu wachsen. Die Ohren öffnen sich mit 3 bis 5 Tagen, die Augen im Alter von 12 bis 14 Tagen. Die Pigmentierung der Haut stellt sich im Alter von 5 bis 7 Tagen ein. Sind Augen und Ohren voll funktionsfähig, beginnen die Jungen feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die Säugezeit endet nach 3 bis 4 Wochen. Die adulte Größe wird mit 8 bis 9 Wochen erreicht (Palomo, Justo & Vargas, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Algerische Hausmäuse gehören demnach noch nicht zu den bedrohten Arten. Aufgrund der intensiven Landwirtschaft und der Zerstörung natürlicher Lebensräume in einigen Regionen Europas sind Populationsrückgänge in Zukunft jedoch wahrscheinlich (IUCN, 2013).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist die Art unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind caoccii Krausse, 1919, hispanicus Miller, 1909, lusitanicus Miller, 1909, lynesi Cabrera, 1923, mogrebinus Cabrera, 1911, parvus Alcover, Gosalbez & Orsini, 1985 und rifensis Cabrera, 1923 (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899.
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066.
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999.
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X.
  • Die Maus, Frankh Kosmos Verlag. ISBN 3440094219.

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