Afrikanischer Quastenstachler

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Afrikanischer Quastenstachler

Taxonomie
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Familie: Altweltliche Stachelschweine (Hystricidae)
Unterfamilie: Atherurinae
Gattung: Quastenstachler (Atherurus)
Art: Afrikanischer Quastenstachler
Wissenschaftlicher Name
Atherurus africanus
Gray, 1842

Der Afrikanische Quastenstachler (Atherurus africanus) zählt innerhalb der Familie der Altweltlichen Stachelschweine (Hystricidae) zur Gattung der Quastenstachler (Atherurus). Im Englischen wird der Afrikanische Quastenstachler african brush-tailed porcupine genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Afrikanische Quastenstachler zählen mit zu den größten Nagetieren Afrikas, mit einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 36,5 bis 60,0 Zentimeter sowie einer Schwanzlänge von etwa 10,0 bis 26,0 Zentimeter. Der Körper ist relativ lang gestreckt, aber die Beine dagegen sind kurz und breit. Die Füsse sind mit Schwimmhäuten ausgestattet und besitzen 5 Krallen. Die Tiere variieren in der Färbung von Schwarz bis Dunkelbraun auf dem Rücken und von Weiß bis zu einem leuchtenden Braun auf der Bauchseite. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Die Schneidezähne sind kräftig und mit einer gelblichen Emaille-Schicht überzogen. Die Prämolaren und Molaren sind hypsodont (hochkronig). Der Afrikanische Quastenstachler weist mehrere Arten von Stacheln auf. Die weichsten Stacheln befinden sich auf dem Kopf, am Hals und in der Bauchregion. Abgeflachte stilettartige Stacheln sind an den Rändern des Rückens zu erkennen und flexible borstenartige Stacheln befinden sich in der Mitte des Rückens. Ferner weist der Afrikanische Quastenstachler ein buschiges, gelblich gefärbtes Schwanzende auf, das mit plättchenartigen Borsten besetzt ist. Des Weiteren zeigen sich an den Hinterbeinen ein paar sehr dicke, lange Stacheln. Die Augen sind klein und liegen mittig, seitlich am Schädel. Die kleinen und rundlich geformten Ohren liegen deutlich hinter den Augen, jedoch etwa auf gleicher Höhe. Die Weibchen verfügen zum Säugen ihres Nachwuchses über 2 Paar seitlich platzierte Zitzen.

Lebensweise

Afrikanische Quastenstachler leben in monogamen Familiengruppen, die aus einem Pärchen und deren Nachwuchs bestehen. Der Nachwuchs kann aus mehreren Würfen stammen. Bewohnt werden Erdbauten, die von einer Familiengruppe genutzt werden. Innerhalb des Reviers werden in der Regel 1 bis 6 Höhlen unterhalten. Afrikanische Quastenstachler sind nachtaktiv und halten sich am Tage in ihren Bauten auf. Die Nahrungssuche erfolgt trotz geselliger Lebensweise meist einzelgängerisch. Das eigene Revier wird von beiden Geschlechtern mit Duftmarken markiert. Männchen setzen Duftmarken häufiger als Weibchen. Die Erdbauten werden meist von anderen Tieren wie dem Erdferkel (Orycteropus afer) übernommen, seltener auch selbst gegraben. Auch ausgediente Termitenbauten dienen mitunter als Unterschlupf. Die Siedlungsdichte der Afrikanischen Quastenstachler liegt je nach Region und Lebensraumqualität bei 8 bis 25 Tiere je km². Die Reviergrößen richten sich nicht nur nach der Lebensraumqualität, sondern auch nach der Jahreszeit. Im Winter sind die Reviere einer Familiengruppe durchschnittlich 116 Hektar groß, im Sommer lediglich um die 67 Hektar.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Afrikanische Quastenstachler in Guinea sowie in Sierra Leone und von Gambia in Westafrika bis in den Osten der bewaldeten Regionen in Kenia verbreitet. Er kommt in Höhe bis zu 3.000 Meter über dem Meeresspiegel vor. Zusammenfassend lebt der Afrikanische Quastenstachler in folgenden Ländern: Benin, Kamerun, Kongo, Demokratische Republik Kongo, Côte d'Ivoire, Äquatorialguinea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Kenia, Liberia, Sierra Leone, Sudan, Togo und Uganda.

Prädatoren

Afrikanischer Quastenstachler
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Afrikanischer Quastenstachler

Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere Löwen (Panthera leo) und Leoparden (Panthera pardus). Afrikanische Quastenstachler sind jedoch keineswegs wehrlos. Sie positionieren sich seitlich zu einem Angreifer und drohen mit ihren langen Spießen. Dieses Verhalten entwickeln die Tiere bereits wenige Tage nach der Geburt. Der größte Feind der Afrikanischen Quastenstachler ist der Mensch, der den Tieren lokal massiv nachstellt.

Ernährung

Afrikanische Quastenstachler ernähren sich primär als Pflanzenfresser. Zur bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Wurzeln und Knollen, Zwiebeln, Baumrinde, Blätter und junge Triebe sowie Früchte und ähnliches. Beliebte Futterpflanzen sind Kassien (Cassia), Kasuarinen (Casuarina), Kiefern (Pinus), Zürgelbäume (Celtis) und Myrobalanen (Terminalia). Lokal wurde beobachtet, dass Afrikanische Quastenstachler auch Knochen verzehren. Dies wird als Osteophagie bezeichnet. Knochen werden vor allem in Regionen verzehrt, in denen in der Nahrung wenig Phosphor vorhanden ist. Neben Knochen fressen Afrikanische Quastenstachler gelegentlich auch Aas. In der Nähe des Menschen werden die Tiere als Ernteschädling angesehen. Auf landwirtschaftlichen Flächen werden vor allem Getreide wie Mais gefressen.

Fortpflanzung

Afrikanische Quastenstachler bilden schon vor der Paarung eine Paarbindung. Dies ist notwendig, weil die Weibchen gegenüber den Männchen eine gesteigerte Aggression zeigen. Es gibt keine klar definierte Paarungszeit und es sind bis zu zwei Geburten pro Jahr möglich. Die Weibchen gebären normalerweise ein bis zwei Junge. Ferner weisen die Weibchen eine sehr lange Tragzeit auf, die von 100 bis 110 Tagen reichen kann. Nach der Geburt sind die Jungen schon sehr weit entwickelt. Bei der Geburt sind die Augen offen, die Zähne bereits vorhanden und der Körper ist mit Haaren bedeckt, jedoch haben sich noch keine Stacheln gebildet. Die Jungen sind bereits Nestflüchter. Trotz der langen Tragzeit werden die Jungen sehr klein geboren. Aufgrund ihrer geringen Größe investieren beide Eltern eine Menge Energie bei der Aufzucht der Jungen. Die ersten zwei Monate nach der Geburt werden die Jungen ständig von dem Weibchen umsorgt. Die Tiere erreichen die Geschlechtsreife mit zwei Jahren. Afrikanische Quastenstachler leben in sozialen Gruppen. In der Regel bleiben die Jungen im Laufe ihres Lebens bei ihren Eltern. Afrikanische Quastenstachler können ein Alter bis zu 23 Jahren erreichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Afrikanische Quastenstachler zählen heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In den meisten Regionen kommen die Tiere noch recht häufig vor und es handelt sich meist um stabile Populationen. In den Regionen, in denen der Mensch den Tieren nachstellt, sind jedoch deutlich Populationsrückgänge zu verzeichnen. In der Nähe des Menschen sind die Tiere keine gern gesehenen Gäste und man stellt ihnen als Ernteschädling nach.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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