Afrikanische Blütenmantis

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Afrikanische Blütenmantis

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schabenverwandte (Dictyoptera)
Unterordnung: Fangheuschrecken (Mantodea)
Familie: Hymenopodidae
Gattung: Pseudocreobotra
Art: Afrikanische Blütenmantis
Wissenschaftlicher Name
Pseudocreobotra wahlbergii
Stål, 1871

Verbreitungsgebiet

Die Afrikanische Blütenmantis (Pseudocreobotra wahlbergii) zählt innerhalb der Familie Hymenopodidae zur Gattung Pseudocreobotra. Im Englischen wird diese Art Spiny flower mantis genannt. Das erste Mal wissenschaftlich beschrieben wurde die Afrikanische Blütenmantis von Carl Stål im Jahre 1871.

Die Afrikanische Blütenmantis kann leicht mit Pseudocreobotra ocellata verwechselt werden, jedoch ist diese bei genauerem Betrachten um zirka 10 Millimeter kleiner und ihre Augenflecke sind mehr zitronengelb als orange-gelb.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Afrikanische Blütenmantis erreicht eine Körperlänge von zirka 30 bis 40 Millimeter. Sie hat einen schlanken Körperbau und wirkt zart. Die Grundfärbung des Körpers kann verschieden sein, ist jedoch meist weiß oder rosaweiß mit gelben oder grünen Streifen am ganzen Körper. Die Flügel sind im adulten Stadium sehr farbenprächtig, mit den Farben Grün und Gelb. Typisch für die Gattung Pseudocreobotra sind die spiralähnlichen Augen auf beiden Flügeln. Die Unterflügel sind gelb und die gesamten Flügel ragen über das Abdomenende hinaus, und sind beim Männchen auch breiter. Die Augen haben eine kegelförmige Form und ragen weit über den Kopf hinaus, an der Spitze sind sie abgerundet. Bei Nacht verfärben sich die Augen in ein Braun, am Tag sind sie meist violett gefärbt. Ein weiteres Merkmal welches die Afrikanische Blütenmantis interessant aussehen lässt, sind die vielen Auswüchse und Anhängsel am Körper.

Ein besonderes Verhalten der beiden Geschlechter ist das minutenlange Schlagen mit den Flügeln, ohne loszufliegen. Was das bezweckt, ist noch ungeklärt, es könnte jedoch dazu dienen freigesetze Pheromone in der Luft zu verteilen.

Fortpflanzung und Geschlechtsunterschied

Eine Woche nach der Imaginalhäutung werden die Männchen paarungsbereit, die Weibchen folgen erst 2 bis 4 später. Sobald sich ein Paar gefunden hat, steigt das Männchen auf das Weibchen, dabei passiert es oft, dass bevor die Paarung überhaupt beginnt, das Männchen aufgefressen wird. Manchmal kann das Männchen auch während der Paarung dem Weibchen zum Opfer fallen. Die Paarung selbst dauert zwischen 5 und 14 Stunden, nach der Paarung steigt das Männchen wieder herunter. Das Weibchen beginnt zirka 1 Woche nach der Paarung, im Abstand von bis zu 14 Tagen, mit dem Bau von Ootheken. Es werden zwischen 5 und 8, seltener auch mehr Ootheken gebaut. Die Färbung der Oothek ist dunkel, schwarz oder braun und sehr in die Länge gezogen und schmal.

Die Männchen weisen nach der Imaginalhäutung eine Größe von bis zu 30 Millimetern auf, die Weibchen um die 40 Millimeter. Die beiden Geschlechter kann man am Größenunterschied gut erkennen. Die Männchen haben am Abdomen 6 gleich lange Anhängsel und haben einen zarteren Körperbau als die Weibchen. Die Flügel sind lang und ragen über das Abdomenende hinaus. Außerdem sind sie auch breiter als das Abdomen. Durch diese Flügel können die Männchen sehr gut fliegen. Die Weibchen besitzen am Abdomen lediglich 5 Anhängsel, wobei die ersten am kürzesten und die letzten, hinten am längsten sind. Die Flügel sind zwar länger als das Abdomen, dafür aber nicht breiter, d.h. die Flügel verdecken das Abdomen nicht. Dadurch sind die kräftigeren Weibchen nur für kurze Flügel im Stande.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Afrikanischen Blütenmantis erstreckt sich über den östlichen Abschnitt des Afrikanischen Hochlands. Sie ist in Äthiopien, Kenia, Tansania, Mosambik, Malawi, Kongo, Simbabwe, Sambia und Angola heimisch und bewohnt dort feuchte Gebiete wie z.B. Wiesen oder blühende Sträucher und vor allem Blüten. Dabei lauert sie auf der Blütenunterseite oder Oberseite auf Nahrung.

Ernährung

Drohgebärde
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Drohgebärde

Die Afrikanische Blütenmantis lauert ihren Opfern und gleichzeitig Futter auf Blüten auf. Dort frisst sie wohl hauptsächlich Fliegen und andere Fluginsekten die zu Blütenbesuch kommen. In Haltung und Zucht dieser Art kann man vieles anbieten. In den ersten 3 bis 4 Larvenstadien füttert man Drosophilas und Wiesenplankton. Danach kann man auf Fliegen (Brachycera), wie Gold- und Stubenfliegen, kleinere Schaben (Blattodea), Wachsmotten (Galleriinae) und kleine Wanderheuschrecken (Acrididae) umsteigen. Da die weiblichen Blütenmantis ein sehr kannibalisches Verhalten zeigen, werden nach der Paarung auch manchmal die Männchen gefressen.

Prädatoren

Mögliche Feinde der Afrikanischen Blütenmantis sind verschiedene Vögel (Aves) und kleine Säuger (Mammalia). Um diese abzuschrecken, kann diese Mantis ihre Flügel seitlich aufstellen um größer und durch die spiralähnlichen Augen bedrohlicher zu wirken. Den schwachen Männchen droht auch Gefahr von den Weibchen, da sie gerne, besonders während der Paarung, von den Weibchen gefressen werden.

Haltung und Zucht

Haltung

Nymphe nach dritter Häutung
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Nymphe nach dritter Häutung

Die Haltung von Weibchen der Afrikanischen Blütenmantis sollte in einem etwa 20x20x30 Zentimeter großen Behälter oder Terrarium erfolgen. Da diese sehr aggressiv sind und auch recht Standorttreu, wird keine größere Unterkunft benötigt. Die Männchen kann man in Gruppen halten. Für etwa 5 Exemplare sollte ein 30x30x50 Zentimeter großes Terrarium gewählt werden. Als Bodengrund kann Küchenrolle oder ein Sand-Erde-Gemisch gewählt werden, dieses sollte zwar feucht sein, aber nicht nass. Die Einrichtung sollte aus vielen Ästen und Zweigen, Blüten und Blättern bestehen, dabei kann auf künstliche Blüten und Blumen zurückgegriffen werden. Die Decke der Unterkunft sollte mit Gaze bespannt werden, da sich die Blütenmantis gerne kopfüber aufhängt. Es sollte auch eine gute Belüftung vorhanden sein, damit keine Staunässe entsteht.

Die Beleuchtung kann mit einem Halogenstrahler, Leuchtstoffröhren oder normalen Glühbirnen, mit mindestens 20 Watt, erfolgen. Am Tag sollten hohe Temperaturen von 28°C bis 35°C herrschen, nachts darf diese nicht auf weniger als 20°C sinken. Die Beleuchtungsdauer soll um die 12 Stunden betragen, auch sollte man täglich am Abend ins Terrarium sprühen, damit am Tag 30 bis 50% Luftfeuchtigkeit herrschen, in der Nacht jedoch 60 bis 80%. Gefüttert werden sollte alle 2 bis 3 Tage. Als Futter kann man Drosophilas, Fliegen, Heimchen, Grillen, Schaben und Wiesenplankton anbieten. Heimchen und Grillen sollten aber nicht zu oft verfüttert werden.

Zucht

Oothek
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Oothek

Nach dem die Männchen 9 bis 10 nach der Imaginalhäutung paarungsbereit und die Weibchen mit zirka drei Wochen bereit sind, kann man sich an eine Kopulation herantrauen. Durch den großen Unterschied zwischen der paarungsbereitschaft, sollte man das Männchen ein wenig kühler als das Weibchen halten bis das Weibchen bereit ist. Dazu setzt man das Weibchen ins Terrarium vom Männchen, da dies weniger Stress für die Männchen bedeutet. Das Weibchen sollte vor der Kopulation ausreichend gefüttert werden, auch kann man dem Weibchen während der Paarung etwas zum Fressen anbieten. Nun kommt es auf das Weibchen darauf an, wie das ganze endet. Es kann passieren, dass das Weibchen das Männchen vor der Paarung angreift und frisst, aber es ist natürlich auch möglich, dass es das Männchen auf den Rücken des Weibchens schafft. Wenn das Männchen Interesse an dem Weibchen hat fliegt es normalerweise sofort auf den Rücken des Weibchens. Häufig passiert es, dass man das Männchen mit bis zu 40°C stimulieren muss und es direkt hinter das Weibchen setzen muss. Manche Männchen balzen mit aufgestellten Flügeln, andere nicht. Zu Beginn kann es passieren, dass es zwar am Rücken sitzt, jedoch tagelang noch nicht kopuliert (Hessler, 2000). Nach dem dritten Tag sollte man es wieder trennen, um das Männchen zu füttern. Die Kopulation an sich, dauert zirka 4 bis 7 Stunden. Falls das Weibchen das Männchen angreift und den Kopf frisst, kann die Paarung dennoch erfolgen. Falls es das Männchen nach der Paarung wieder unbeschadet vom Rücken herunterschafft, kann man es wieder in sein Terrarium geben. Das Weibchen beginnt dann nach zirka 4 bis 10 Tagen mit der Ablage von der ersten von vier bis acht Ootheken. Im Abstand von 7 bis 14 Tagen werden die restlichen Ootheken gebaut. Die Größe kann bis zu 5 Zentimeter betragen, das Aussehen ist dunkel und sehr schmal.

P. wahlbergii, subadult
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P. wahlbergii, subadult

Die Zeitigung der Ootheken sollte bei 30 bis 40°C erfolgen, außerdem sollte man regelmäßig ins Terrarium sprühen um eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 70% erreicht wird. Nach 4 bis 7 Wochen schlüpfen dann zwischen 20 und 80 Larven gleichzeitig aus der Oothek. Beim Schlupf sind sie schwarz glänzend und imitieren Ameisen. Die Aufzucht sollte ein wenig wärmer, bei zirka 35°C und einer Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70% erfolgen. Nach dem Schlupf sollte man alle Larven in eigene Behälter geben, da es bereits zu Beginn zu Kannibalismus kommen kann. Nach etwa zwei Tagen kann man mit Drosophilas oder Wiesenplankton zu füttern beginnen. Nach der zweiten Häutung fehlt die schwarze Färbung und es sind nur noch schwarze Flecken vorhanden. Anschließend wird die Grundfärbung immer heller. Es ist immer wieder der Fall, dass es bei Häutungen vom zweiten zum dritten Stadium größere Ausfälle, auch bei richtiger Haltung, geschehen. Die ersten Häutungen folgen im Abstand von acht bis neun Tagen, weitere nach 2 Wochen. (Reichsvilser, 2001)

Die Weibchen brauchen bis sie adult sind bis zu 7 Häutungen, die Männchen 6 Häutungen. Die Entwicklungszeit beträgt also 10 bis 14 Wochen. Die Lebenserwartung der Männchen beträgt nach der Imaginalhäutung 3 bis 5 Monate, die Weibchen werden mit 10 Monaten etwas älter.

Anhang

Literatur

  • Bischoff, Ingrid: PraxisRatgeber: Mantiden: Faszinierende Lauerjäger. Chimaira, 2007 ISBN 3930612453

Qualifizierte Weblinks

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