Afghanfuchs

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Afghanfuchs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hundeartige (Canidae)
Gattung: Echte Füchse (Vulpes)
Art: Afghanfuchs
Wissenschaftlicher Name
Vulpes cana
Blanford, 1877

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Afghanfuchs (Vulpes cana) zählt innerhalb der Familie der Hundeartigen (Canidae) zur Gattung der Echten Füchse (Vulpes). Im Englischen wird die Art Blanford's Fox, Afghan Fox, Corsac, Dog Fox oder Steppe Fox genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind keine bekannt (Geffen, Hefner, & Wright, 2004). Die Art ist auch unter dem Synonym Vulpes nigricans bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Zu den ähnlichen Arten des Afghanfuchses zählen der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Fennek (Vulpes zerda) und der Sandfuchs (Vulpes rueppellii). Der Schwanz des Afghanfuchses ist jedoch deutlich buschiger und mit einer Abmessung von 323 mm in Bezug auf die Körperlänge von 426 mm länger. Damit ist der Schwanz zu den genannten Arten um 6,8%, 9,8% bzw. um 22,5% länger. Die Hinterfußlänge ist, relativ zur Körperlänge gesehen, um 1,8%, 0,8% bzw. um 3,2% kürzer als bei den genannten Arten (Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Afghanfuchs ist eine kleiner Fuchs mit einem langen und buschigen Schwanz. Der Dimorphismus zwischen den Geschlechtern ist nur marginal. Männchen sind rund 3 bis 6% größer als Weibchen. Männchen erreichen eine Körperlänge von 385 bis 470 (427) mm, eine Schwanzlänge von 260 bis 355 (324) mm, eine Hinterfußlänge von 80 bis 100 (92) mm, eine Ohrlänge von 72 bis 85 (80) mm sowie ein Gewicht von 800 bis 1.300 (1.000) g. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 385 bis 450 (411) mm, eine Schwanzlänge von 290 bis 340 (317) mm, eine Hinterfußlänge von 82 bis 110 (93) mm, eine Ohrlänge von 74 bis 87 (78) mm sowie ein Gewicht von 800 bis 1.500 (1.000) g. Der Kopf ist leicht orangeocker gefärbt, das Gesicht ist schlank. Seitlich der Schnauze zeigen sich je ein dunkles Band, das vom Maul bis zu den Augen reicht. Die Iris ist dunkler gefärbt als die Pupille. Die Ohren sind blass braun gefärbt, die Haare im Ohr sind weißlich gefärbt. Das dorsale Fell ist graubraun gefärbt, ventral zeigt sich eine deutlich hellere Färbung. Das Winterfell ist weich und wollig mit einer schwarzen Unterwolle. Das Sommerfell ist weniger dicht, das Unterfell ist deutlich heller als im Winter. Der Schwanz ist ähnlich gefärbt wie der Körper. Das Baculum erreicht eine Länge von 41 mm. Der Schädel weist eine Länge von 94 mm auf. Das Rostrum ist schlank, die nasalen Knochen sind lang und dünn. Das Gebiss verfügt über 42 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m2/3 (Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Lebensweise

Afghanfüchse leben in einer strikt monogamen Einehe. Die Einhehe hält meist für mehrere Jahre. Ein Paar besiedelt ein Revier in einer Größe von durchschnittlich 1,6 km². Die Reviergrenzen können sich dabei leicht überlappen. Die Reviere sind in der Regel über längere Zeit stabil. Während der Ruhephasen oder am Tage halten sich die Tiere in Erdbauten auf. Die Höhlen befinden sich meist unter großen Felsbrocken oder unter Steinstapeln. Die Bauten werden dauerhaft genutzt. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt (Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Verbreitung und Lebensraum

Das Hauptverbreitungsgebiet des Afghanfuchses erstreckt sich im südwestlichen Asien über den Iran, dem westlichen Pakistan und Afganistan. Kleinere Vorkommen sind in Kasachstan, Jordanien, Oman, Saudi Arabien, im Jemen, in den vereinigten Arabischen Emiraten, in Israel und in Ägypten nachgewiesen. Die Tiere leben vor allem in trockenen Bergregionen, ausgetrockneten Flussbetten und Halbwüsten, meist in Höhen von 100 bis 2.000 m über NN (Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Biozönose

Sympatrie

Der Afghanfuchs lebt sympatrisch mit dem Fennek (Vulpes zerda). In der Divergenz der mtDNA (mitochondriale DNA) zeigt sich zwischen beiden Arten ein Unterschied von 8,7%. Man geht davon aus, dass beide Arten einen gemeinsamen Ahnen haben und sich vor etwa 3 bis 4 Millionen Jahren getrennt haben (Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Prädatoren und Mortalität

Afghanfüchse haben aufgrund ihrer strikten Nachtaktivität nur wenige natürliche Feinde. Nachgewiesen ist lediglich ein Riss durch einen Rotfuchs (Vulpes vulpes). In einigen stärker besiedelten Regionen kommen Afghanfüchse gelegentlich im Straßenverkehr ums Leben (Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Ernährung

Afghanfüchse sind sowohl Fleischfresser als auch Pflanzenfresser. In den westlichen Regionen des Verbreitungsgebietes ernähren sich die Tiere von Insekten (Insecta) sowie von Früchten oder grünen Pflanzenteilen der Kapernsträucher (Capparis), Echten Dattelpalmen (Phoenix dactylifera), Jochblattgewächsen (Zygophyllaceae), Süßgräsern (Poaceae) und Resedagewächsen (Resedaceae). Lokal kann die aufgenommene Nahrung zum Teil stark variieren. Auf Nahrungssuche gehen Afghanfüchse vorzugsweise einzelgängerisch, seltener paarweise. Nahrung wird nur selten versteckt, meist sofort verspeist. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich in der Nacht. In einer Nacht legen Afghanfüchse meist 6,6 bis 12 (9,3) km Wegstrecke zurück. Sie durchstreifen dabei ein Nahrungshabitat in einer Größe von 0,4 bis 1,8 (1,1) km² (Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Fortpflanzung

Der Afghanfuchs lebt in einer monogamen Einehe. Der Östrus der Weibchen erstreckt sich meist über Januar bis Februar. Nach einer Tragezeit von 50 bis 60 Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 3 Jungtiere zur Welt. Ein Weibchen verfügt über 2 bis 6 aktive Zitzen zum Säugen des Nachwuchses. Die Säugezeit erstreckt sich über 30 bis 45 Tage. Die Jungtiere werden mit einem weichen, schwarz gefärbten Fell geboren. Das Geburtsgewicht liegt bei kaum 29 g. Subadulte Tiere weisen im Alter von 3 bis 4 Monaten ein Gewicht von 700 bis 900 g auf. Ab diesem Alter gehen die Jungtiere alleine oder mit der Mutter auf die Nahrungssuche und nehmen feste Nahrung zu sich. Die Geschlechtsreife wird im Alter von 10 bis 12 Monaten erreicht (Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Afghanfuchs gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Im Washingtoner Artenschutzabkommen ist die Art in Anhang II gelistet. In einigen Ländern wie beispielsweise Israel oder dem Oman ist der Afghanfuchs geschützt und eine Bejagung ist streng verboten (IUCN, 2001; Geffen, Hefner, & Wright, 2004).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hunde (Canidae)
  • Die Ordnung der Raubtiere (Carnivora)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge