Affenadler

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Affenadler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Gattung: Affenadler (Pithecophaga)
Art: Affenadler
Wissenschaftlicher Name
Pithecophaga jefferyi
Ogilvie-Grant, 1897

IUCN-Status
Critically Endangered (CR) - IUCN

Der Affenadler (Pithecophaga jefferyi), der auch Philippinen-Adler genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Affenadler (Pithecophaga). Der Affenadler kann vor allem im Flug leicht mit dem Weißbauchseeadler (Haliaeetus leucogaster) verwechselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Affenadler erreicht eine Körperlänge von 91 bis 110 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 200 bis 240 Zentimeter sowie ein Gewicht von 4.700 bis 8.000 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) ist der Affenadler die größte Art. Die Bauchseite und die Kopfseiten sind weißlich bis hellbraun oder beigefarben gefärbt. Der Oberkopf und der Nacken sind durch kammartige verlängerte Federn gekennzeichnet und sind deutlich dunkler, meist mittelbraun gefärbt. Der Rücken und die Flügel weisen eine dunkelbraune Färbung auf. Das dunkelbraune Gefieder zeigt eine überwiegend hellbraune bis weißliche Säumung. Der Schwanz ist auf der Oberseite braun, auf der Unterseite hellbraun gefärbt und zeigt eine breite Bänderung aus hell- und dunkelbraunen Querbändern. Die Flügel sind auf der Unterseite cremefarben bis weißlich gefärbt. Die Küken sind mit einem weichen und weiß gefärbten Flaumgefieder bedeckt, juvenile Vögel ähneln bereits den adulten Adlern. Die Extremitäten weisen eine gelbliche Färbung auf, die Zehen enden in mächtige Krallen, die ideal zum Reißen von Beute geeignet sind. Der kräftige Schnabel ist an der Spitze deutlich nach unten gebogen ist blaugrau gefärbt.

Lebensweise

Die tagaktiven Affenadler leben einzelgängerisch oder paarweise. Die monogame Ehe hält dabei in der Regel ein Leben lang. Affenadler sind gute Flieger, die jedoch selten hoch steigen, zudem nutzen sie auf ihren Flügen hauptsächlich die Thermik, insbesondere warme Aufwinde, um energiesparend zu Fliegen. Sie sind ausgesprochen territorial und beanspruchen ein Revier von einigen Dutzend Quadratkilometer, Reviergrößen von über 100 Quadratkilometer sind keine Seltenheit. Fressfeinde hat der Affenadler keine zu fürchten, in seinem Lebensraum steht er am oberen Ende der Nahrungskette.

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Affenadler

Verbreitung

Der Affenadler ist auf einigen Inseln der Philippinen endemisch. Er kommt insbesondere auf den Inseln Luçon, Samar, Leyte und Mindanao vor. Der natürliche Lebensraum erstreckt sich über den tropischen Primärregenwald, von dem heute nur noch ein Bruchteil vorhanden ist. Nur gelegentlich ist er auch in lichten Wäldern und Galeriewäldern anzutreffen.

Ernährung

Affenadler haben es zumeist auf mittelgroße Säugetiere abgesehen. Weit oben auf ihrer Speisekarte stehen beispielsweise Philippinen-Gleitflieger (Cynocephalus volans), Fleckenmusangs (Paradoxurus hermaphroditus), Gleithörnchen (Pteromyinae), junge Jolo-Sikahirsche (Cervus nippon soloensis). Namensgebend war die Tatsache, dass Affenadler auch auf die Jagd nach Primaten (Primates) gehen. Hier reißen sie vor allem Javaneraffen (Macaca fascicularis), Philippinen-Koboldmakis (Tarsius syrichta) und Sunda-Plumploris (Nycticebus coucang). Aber auch kleinere Tiere wie Ratten (Rattus), Schlangen (Serpentes), Fledermäuse (Microchiroptera) und Vögel (Aves) werden keinesfalls verschmäht. Je nach Vorkommen kann die Nahrung stark variieren. Auf Nahrungssuche gehen Affenadler zumeist alleine, selten auch paarweise. Erbeutete Tiere werden nicht vor Ort gefressen, sondern zum Horst verbracht und dort verspeist. Von hier aus startet auch die Jagd.

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Fortpflanzung

Affenadler erreichen die Geschlechtsreife erst sehr spät. Weibchen sind im Alter von vier bis fünf Jahren geschlechtsreif, Männchen hingegen erst in einem Alter von fünf bis sieben Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in der Regel von Oktober bis in den Dezember hinein, jedoch kommt es nur alle zwei Jahre zu einem Gelege. Eiablage, Brut und Aufzucht der Jungen fallen in in die Trockenzeit, also ab Februar. Affenadler leben in einer monogamen Einehe, die zumeist ein Leben lang hält. Sie bleiben auch außerhalb der Paarungszeit zusammen. Die Balz der Vögel ist vor allem durch kreisende Flüge gekennzeichnet, die vor allem den Sinn der Verteidigung des Reviers erfüllen. Die Balzflüge erfolgen in der Regel im Duett. Die Nester entstehen in der Regel in sehr hohen Bäumen, nicht selten in Höhen von 30 bis 50 Metern. Der Horst weist gewaltige Ausmaße auf und besteht hauptsächlich aus Ästen und kräftigen Zweigen. Der Durchmesser beträgt mindestens 120 Zentimeter, kann aber durchaus auch deutlich über 200 Zentimeter betragen. Ein Horst dient den Affenadlern über mehrere Jahre und wird bei Bedarf ausgebessert oder vergrößert.

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Das Weibchen legt in den fertig eingerichteten Horst ein bis zwei Eier, wobei ein Ei die Regel ist. Zu zwei Eiern kommt es nur sehr selten. In der ersten Zeit wärmt ausschließlich das Weibchen die Eier, während dieser Zeit sorgt das Männchen für Nachschub an Nahrung. Erst gegen Ende der Brutzeit beteiligt sich das Männchen am Wärmen der Eier. Die Inkubation der Eier erstreckt sich etwa über einen Zeitraum von gut 60 Tagen. Nicht nur die Brutzeit ist sehr lang, sondern auch die Nestlingszeit, die sich über sieben bis acht Wochen erstreckt. Die Küken weisen ein weißliches Flaumgefieder auf. Es wird während der Nestlingszeit von beiden Elternteilen mit kleinen Fleischbrocken gefüttert. Nach dem Erreichen der Flugfähigkeit bleibt der Jungvogel noch mindestens drei bis vier Monate bei den Eltern. Während dieser Zeit erlernt er von ihnen die Fähigkeiten, die er für das Leben braucht. Die Lebenserwartung liegt bei 30 bis 45 Jahren. In der Fachliteratur spricht man auch von einer Lebenserwartung von bis zu 60 Jahren. Ein solch hohes Alter wird jedoch nur unter sehr günstigen Umständen erreicht.

Ökologie

Affenadler stehen am oberen Ende der Nahrungskette und bilden so einen wichtigen Teil in ihrem Ökosystem. Da ihr natürlicher Lebensraum nur noch zu einem kleinen Teil vorhanden ist, machen sich die Affenadler in der Nähe des Menschen auch über dessen Geflügel und Kleinvieh her. Dies jedoch zum Ärgernis der Landbevölkerung. Nicht selten wurden Affenadler daraufhin in der Vergangenheit bejagt und getötet. Die Federn dienen vor allem den Eingeborenen auch als Trophäe.

Gefährdung und Schutz

Der Affenadler steht heute kurz vor der Ausrottung. Daher werden die Tiere in der Roten Liste der IUCN als kritisch gefährdet geführt (critically endangered). Das Washingtoner Artenschutzabkommen führt den Affenadler in Anhang I des Abkommens. Die Hauptgründe für den dramatischen Gefährdungsgrad liegen auf der Hand; in den letzten Hundert Jahren wurde fast der gesamte tropische Regenwald vernichtet und in Agrarland umgewandelt. Aber auch die starke Bejagung hat zu dieser Misere beigetragen. Die in der Landwirtschaft ausgebrachten Pestizide, die indirekt über die Nahrung auch auf die Affenadler übergehen, schädigen vor allem das Erbgut der Vögel. Eine schnelle Erholung der Population ist auch nicht in Sicht, da Affenadler eine sehr geringe Reproduktionsrate aufweisen (ein Küken alle zwei Jahre). Auf den Philippinen steht die Art mittlerweile unter Schutz und eine Bejagung ist strikt verboten. Auch der innerstaatliche Handel mit Tieren und Produkten aus den Tieren ist aufgrund der CITES strikt geregelt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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