Östliche Zierschildkröte

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Östliche Zierschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Gattung: Zierschildkröten (Chrysemys)
Art: Zierschildkröte
Unterart: Östliche Zierschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Chrysemys picta picta
Schneider, 1783

Die Östliche Zierschildkröte (Chrysemys picta picta) zählt innerhalb der Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) zur Gattung der Zierschildkröten (Chrysemys). Im Englischen wird diese Schildkröte Painted Turtle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Östliche Zierschildkröte erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Carapax-Länge von 10 bis 25 Zentimeter. Männchen bleiben ein wenig kleiner als Weibchen. Der ovale Carapax weist eine relativ geringe Wölbung auf. Die Oberfläche ist ausgesprochen glatt und ein Kiel ist dorsal nicht vorhanden. Auf den Ventebral- und Pleuralschilden sind gut sichtbare Wachstumsringe zu erkennen. Rötliche und rotgelbe Markierungen ziehen den gesamten Carapax, die an den Rändern besonders kräftig ausgebildet sind. Die Färbung des Carapax ist je nach Verbreitungsgebiet und Population unterschiedlich. Die Färbung reicht von olivbraun oder dunkelbraun und schwarzbraun bis hin zu fast schwarz. Der Plastron ist gelblich gefärbt. Hier zeigen sich uneinheitliche dunkle, meist schwarze oder rotbraune Muster. Beim Männchen ist der Plastron konkav geformt, beim Weibchen ist der Plastron flach. Dies ist bei allen Schildkröten der Fall. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die dickere Schwanzwurzel der Männchen. Rote Längsstreifen oder rote Flecken sind auch an den Extremitäten zu erkennen. Der Kopf ist überwiegend mit gelblichen Mustern versehen, die im Bereich des Halses jedoch rötlich erscheinen. Ein größerer gelber Fleck befindet sich unmittelbar hinter den Augen. Die Füße an den Vorder- und Hinterbeinen enden jeweils in Zehen, die mit kräftigen Krallen versehen sind.

Lebensweise

Die saisonale und tägliche Aktivität der Östlichen Zierschildkröte richtet sich nach dem Verbreitungsgebiet, dem Lebensraum und den klimatischen Bedingungen. Während der kalten Jahreszeit halten Östliche Zierschildkröten eine mehrmonatige Winterruhe. Sie erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet von Oktober bis April. In nördlichen Regionen dauert die Winterruhe für gewöhnlich einige Wochen länger. In der Regel vergraben sich die Tiere zur Winterruhe im Schlamm. Im Hochsommer geht die Hauptaktivität auf die Dämmerung oder die Nacht über. Zumeist sind sie jedoch am Tage aktiv. Die Ruhephasen verbringen sie im Wasser am schlammigen Untergrund. In den frühen Morgenstunden kann man die Östliche Zierschildkröten oft an exponierten Stellen beim Sonnenbaden beobachten. An derartigen Stellen versammeln sich nicht selten mehrere Dutzend Tiere. Als poikilotherme (wechselwarme) Tiere können sie ihre Körpertemperatur nicht selbständig halten und benötigen daher Sonnenwärme. Östliche Zierschildkröten sind recht standorttreu. Sie unternehmen allenfalls Wanderungen von wenigen Hundert Metern.

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Östlichen Zierschildkröte erstreckt sich vom Nordwesten der USA und den Südwesten Kanadas bis an die Ostküste und weiter südlich bis zum Golf vom Mexiko. Nicht besiedelt wird die Region von Texas bis nach Kalifornien und Oregon. In diesem sehr großen Verbreitungsgebiet sind vier Unterarten bekannt, deren Verbreitungsgebiet sich teilweise überschneidet. Zu den natürlichen Lebensräumen gehören vor allem Sumpf- und Überschwemmungsgebiete. Aber auch entlang von Seen und Teichen sowie Flüssen und Bächen tritt die Art häufig auf. Es werden ausschließlich Süßgewässer besiedelt. Das genaue Verbreitungsgebiet der einzelnen Unterarten ist der obigen Aufstellung zu entnehmen.

Prädatoren

Auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser stehen vor allem die Schlüpflinge, da deren Carapax noch leicht zu knacken ist. Zu den üblichen Verdächtigen gehören insbesondere Amerikanische Nerze (Mustela vison), Graufüchsen (Urocyon cinereoargenteus), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Streifenskunks (Mephitis mephitis) und Nordamerikanische Fischotter (Lontra canadensis). Waschbären und Streifenskunks haben es dabei vor allem auf die Eier abgesehen. Zuflucht suchen Östliche Zierschildkröten zumeist im Wasser. Hier sind sie vor den meisten Fleischfressern in Sicherheit. Werden sie an Land von einem Fleischfresser gestellt, so ziehen sie ihren Kopf und die Extremitäten in den Panzer zurück.

Ernährung

Die Östliche Zierschildkröte gehört zu den Allesfressern. Die Jungtiere ernähren sich hauptsächlich von Insekten (Insecta), deren Larven, kleine Fische (Actinopterygii), Regenwürmer (Lumbricidae), Schnecken (Gastropoda) und anderen Weich- und Krebstieren (Crustacea). Mit zunehmendem Alter ernähren sie sich eher vegetarisch. Dazu gehören, Blätter, Blüten, Algen, Kräuter und Früchte. Bei Gelegenheit wird auch auf Aas zurückgegriffen. Auf Nahrungssuche gehen sie sowohl im Wasser als auch an Land. Gefressen wird in der Regel jedoch im Wasser.

Fortpflanzung

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Die Geschlechtsreife erreicht die Östliche Zierschildkröte je nach Geschlecht zu unterschiedlichen Zeiten. Während Männchen die Geschlechtsreife bereits nach vier bis fünf Jahren erreichen, benötigen Weibchen zwischen acht und zehn Jahren. Dies entspricht beim Männchen einer Carapaxlänge von 7 bis 9 Zentimeter, beim Weibchen von 10 bis 13 Zentimeter. Die Paarungszeit erstreckt sich für gewöhnlich nach der Winterruhe vom späten Frühjahr bis in den Sommer hinein, meist von April bis Juni. Nicht selten kommt es während dieser Zeit zu zwei Gelegen. Dies ist vor allem in den südlichen Regionen der Verbreitungsgebiete der Fall. Weibchen legen in der Regel jedes Jahr Eier. Da Östliche Zierschildkröten einzelgängerisch leben, treffen die Geschlechter nur zur Paarungszeit aufeinander. Unmittelbar nach der Paarung gehen sie wieder getrennte Wege. Ein Männchen begattet in einer Saison meist mehrere Weibchen, sie führen also eine polygame Lebensweise.

Das Weibchen gräbt kurz unmittelbar vor der Ablage der Eier im lockeren Sand eine bis zu 15 Zentimeter tiefe Grube. Zum Graben nutzt das Weibchen die hinteren Beine. Nach erfolgreicher Ablage der Eier wird die Grube sorgsam verschlossen. Der ausgewählte Platz befindet sich in einer Entfernung von einigen Dutzend Metern vom Ufer entfernt. Der Platz ist sonnig und vor Überschwemmungen sicher. Eine Überschwemmung des Geleges hätte eine Fäule und das Absterben der Embryos in den Eiern zur Folge. Je nach Alter und Ernährungszustand legt das Weibchen zwischen 4 und 15 Eier. Ein durchschnittliches Gelege besteht aus etwa 8 bis 10 Eiern. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. In Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungtiere nach durchschnittlich 55 bis 70 Tagen. Die Schlüpflinge weisen eine Carapaxlänge von etwa 35 Millimeter auf. Unter günstigen Umständen liegt die Lebenserwartung der Amerikanischen Sumpfschildkröte bei bis zu 40 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Östliche Zierschildkröte gilt heute als noch nicht gefährdet und kommt in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete noch häufig vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Art jedoch nicht geführt. Dies trifft auf die meisten Reptilien zu - unabhängig vom Gefährdungsgrad. In dicht besiedelten Lebensräumen ist seit Jahren ein massiver Schwund der Lebensräume zu beobachten. Dies trifft vor allem auf ausgedehnte Sumpfgebiete zu, die trocken gelegt und kultiviert werden. In Kanada steht die Östliche Zierschildkröte unter Schutz. In den USA steht sie hingegen nicht unter Schutz. Neben der Vernichtung der natürlichen Lebensräume stellt der Wildfang für den Haustierhandel die größte Gefahr dar. Der Handel mit juvenilen Schildkröten ist in den USA jedoch verboten, da Schlüpflinge als Überträger von Krankheitserregern wie Salmonellen gelten.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ignaz A. Basile: Faszinierende Schildkröten. Sumpfschildkröten. Naglschmid, 1995 ISBN 3927913812
  • Andreas S. Hennig: Haltung von Wasserschildkröten. Natur und Tier-Verlag; Auflage 1, Dez. 2004. ISBN 3931587959
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