Östliche Hakennasennatter

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Östliche Hakennasennatter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Xenodontinae
Gattung: Hakennasennattern (Heterodon)
Art: Östliche Hakennasennatter
Wissenschaftlicher Name
Heterodon platirhinos
Latreille in Sonnini & Latreille, 1801

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Östliche Hakennasennatter (Heterodon platirhinos), auch unter dem Synonym Heterodon niger bekannt, zählt innerhalb der Familie der Nattern (Colubridae) zur Gattung der Hakennasennattern (Heterodon). Im Englischen wird die Östliche Hakennasennatter eastern hognose snake genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Östliche Hakennasennatter erreicht eine durchschnittliche Länge von 55 bis 85 Zentimeter. Rekordlängen von bis zu 120 Zentimeter sind allerdings verbürgt, doch bleiben die meisten Exemplare dieser stämmig gebauten Art deutlich kleiner. Männchen bleiben wie bei den meisten Schlangen kleiner und leichter als Weibchen. Die Färbung des Schuppenkleides kann je nach Verbreitungsgebiet und Lebensraum stark variieren. Es können schwarze, braune bis rotbraune, graubraune, olivgrüne bis olivbraune und rötliche Farbmorphen auftreten. Es handelt sich dabei um keine separaten Unterarten. Der Rücken ist je nach Grundfärbung mit hellen oder dunklen Mustern versehen, die in der Regel weißlich gesäumt sind. Die Bauchseite ist meist cremefarben bis weißlich gefärbt. Der Kopf ist ausgesprochen breit und flach, er setzt sich deutlich vom Hals ab. Der Schwanz ist kurz und spitz zulaufend. Im Bereich der Augen verläuft oft ein dunkles Band, dass bis in den Nackenbereich reichen kann.

Lebensweise

Östliche Hakennasennattern gehören zu den tagaktiven Schlangenarten und führen eine einzelgängerische Lebensweise. Die Hauptaktivitäten erstrecken sich jedoch über die frühen Morgen- und Abendstunden. Rückzugspunkte sind meist verlassene Erdbauten. Hier bringen sie ihre Ruhephasen und auch die Winterruhe, die mehrere Monate andauern kann. In den nördlichen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Winterruhe von Oktober bis in den April hinein. In südlichen Verbreitungsgebieten kann die Winterruhe ein bis zwei Monate kürzer ausfallen. Bei der Beutesuche orientiert sich die Östliche Hakennasennatter hauptsächlich mit Hilfe ihres Geruchssinnes, er ist ausgesprochen hoch entwickelt.

Abwehrverhalten und Giftwirkung

Das typische Abwehrverhalten aller Heterodon-Arten umfasst u.a. ein Zischen, dass teils wie das Rasseln einer Klapperschlange klingen kann, Abflachen des Halses im speziellen bei Heterodon platirhinos, Scheinbisse und schließlich das berühmte Totstellverhalten. Typisches Totstellverhalten der Östlichen Hakennasennatter (Heterodon platirhinos): wälzen mit scheinbaren Todesqualen, dabei Abgabe von Körperflüssigkeiten aus der Kloake, Liegen auf dem Rücken mit heraushängender Zunge und geöffnetem Maul (welches durchs Winden nun voll mit Dreck ist). Selbst hantieren mit der Schlange, lässt sie bis 30 Minuten totstellend über sich ergehen. Ist die Luft rein, dreht sie sich um und sucht das Weite. Desweiteren hilft der vergrößerte Rostalschild, das sich diese Schlange bei Bedrohung rasch in den Bodengrund einwühlen kann, wenn sie in offenen Gelände überrascht wurde.

Östliche Hakennasennatter gehören zu den giftigen Nattern, sind aber für den Menschen eigentlich harmlos, da sie als nicht aggressiv gelten. Bisse können zu Hautrötungen und Blasenbildungen führen und im schlimmsten Falle die Giftwirkung mehrere Wochen anhalten. Die Östliche Hakennasennatter gehört wie alle anderen Arten aus der Gattung der Hakennasennattern (Heterodon) zu den Trugnattern. Dennoch ist bisher unerwiesen, ob Heterodon platirhinos eigenes Gift bildet, oder durch Diffusion ihrer Beutetiere in ihr Körpergewebe gelangt. Hier besteht insgesamt noch Forschungsbedarf. Immer wieder gehörte Vorurteile schrecken potenzielle Halter von der Haltung dieser interessanten Art ab.

Verbreitung

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Östliche Hakennasennattern kommen in Nordamerika im südöstlichen Kanada und in den östlichen Bundesstaaten (vor allem in Ost-Zentral-Minnesota, äußerster Süden von New Hampshire bis nach Süd-Florida, westlich bis Ost-Texas und West-Kansas) der USA vor. Lichte Trockenwälder, Grasland und die offene Prärie zählen zu den bevorzugten Lebensräumen. Ihre vertikale Verbreitung reicht von Meereshöhen bis 2500 Meter ü.NN. Aber auch Feuchtgebiete gehören durchaus zu den Lebensräumen, in denen die Schlangen anzutreffen sind. Östliche Hakennasennattern benötigen sandigen oder lehmhaltigen Untergrund.

Prädatoren

Auch wenn die Östliche Hakennasennatter am oberen Ende der Nahrungskette steht, so hat auch sie diverse Fressfeinde. Vor allem Greifvögel und größere Schlangen stellen der Östlichen Hakennasennatter nach. Um Räubern das Leben schwer zu machen, können Östliche Hakennasennattern ihren Hals aufblasen. So erscheinen sie größer und können nicht von allen Räubern gefressen werden. Zudem erscheinen im Bereich des Nackens Muster, die wie Augen aussehen und einen Räuber abschrecken sollen. Ein übelriechendes Sekret aus analen Drüsen und das Hervorwürgen von Nahrung wirkt auf Angreifer zusätzlich abschreckend. Am Ende bleiben nur noch hartgesottene Räuber übrig.

Ernährung

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Östliche Hakennasennattern ernähren sich im Wesentlichen von Fröschen und Kröten. Darüber hinaus werden aber auch andere Amphibien und kleinere Reptilien gefressen. Gelegentlich stehen auch Kleinsäuger, Vögel und sogar Insekten auf der Speisekarte. Selbst die giftigen Absonderungen auf der Haut von Kröten macht der Östliche Hakennasennatter nichts aus, da sie Nahrungstechnisch auf Kröten spezialisiert ist, mit einer Immunität gegen die Toxine, welche eben diese Kröten absondern. Diese Immunität kommt aus den übermäßig vergrößerten Nebennieren, welche große Mengen Hormone absondern, um dem Hautgift der Kröten entgegenzuwirken. Gefressen werden Beutetiere üblicherweise mit dem Kopf voran. Das vergrößerte Rostalschild hilft dieser grabenden Schlange dabei, Amphibien (ihre bevorzugte Beute) aus deren unterirdischen Tagesverstecken zu schaufeln.

Fortpflanzung

Die Östliche Hakennasennatter erreicht die Geschlechtsreife mit etwa zwei bis drei Jahren. Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe. Dies ist in den meisten Verbreitungsgebieten ab dem Frühjahr der Fall. Dabei kommt es pro Saison zu einem Gelege. Nach erfolgreicher Paarung kommt es im Frühsommer zur Eiablage. Das Weibchen legt an geschützter Stelle bis zu 60 weißliche Eier, die eine ovale Form und eine Länge von etwa 30 Millimeter aufweisen. Die Inkubationszeit beträgt je nach Umgebungstemperatur zwischen 55 und 70 Tagen. Die Schlüpflinge weisen in etwa eine Länge von 18 bis 25 Zentimeter auf und sind sofort nach dem Schlupf auf sich alleine gestellt. Eine Brutpflege wird seitens des Weibchens nicht betrieben. Die Östliche Hakennasennatter kann ein Alter von fünf bis zehn Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Östliche Hakennasennatter heute noch nicht zu den bedrohten Schlangen. Die Art ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Östliche Hakennasennatter selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Roland Bauchot: Schlangen, Weltbild Verlag, 1999, ISBN 3-8289-1501-9
  • Dieter Schmidt: Nattern faszinierend & exotisch, Gräfe & Unzer, Auflage 1 (Februar 2005), ISBN 3774269475

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